Panorama

Abenteuerlicher Plan Kuppel soll Öl auffangen

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Der Ölteppich aus Satelliten-Sicht.

(Foto: dpa)

Mit Hilfe einer Schutzglocke soll das im Golf von Mexiko ausströmende Öl aufgefangen und dann abgesaugt werden. Die Arbeiten an der Konstruktion haben begonnen. Allerdings: Der Bau wird einige Wochen dauern.

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko haben Rettungskräfte mit dem Bau einer riesigen Schutzglocke über der gesunkenen Bohrinsel begonnen. Die Bauarbeiten würden zwei bis vier Wochen in Anspruch nehmen, sagte Prentice Danner, Sprecher der US-Küstenwache. Mit der kuppelförmigen Abdeckung könnte das Öl demnach aufgefangen und anschließend abgepumpt werden. "Das ist das erste Mal, dass so etwas versucht wird", sagte Danner.

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Der Ölteppich nähert sich der US-Küste.

(Foto: AP)

Betreiber BP hat zudem vier Unterwasserroboter im Einsatz, die das Bohrloch verstopfen sollen, aus dem in 1500 Meter Tiefe rund 160.000 Liter Öl pro Tag ins Meer strömen. Sollte die Schließung des Bohrlochs misslingen, müssten die Experten in der Nähe Entlastungs-Löcher bohren, um den Ölfluss aus dem offenen Loch nach und nach versiegen zu lassen. Dies könnte nach Einschätzung von BP zwei bis drei Monate dauern. Die Schutzkuppel gilt daher als beste Lösung, um die Ölpest kurzfristig in den Griff zu bekommen.

Der bisherige Ölteppich breitet sich nach dem Sinken der Bohrinsel "Deepwater Horizon" weiter aus. Die US-Küstenwache bemühte sich um eine Eindämmung des Teppichs, der mit 5000 Quadratkilometern fast doppelt so groß war wie das Saarland. Der Schlick könnte die Küsten der US-Bundesstaaten Louisiana, Texas, Mississippi und Florida bedrohen. Bereits jetzt befürchten Umweltschützer, dass die Katastrophe das Ökosystem im Golf von Mexiko zerstört.

Wie der Fall "Prestige"

Der Greenpeace-Experte Christian Bussau warnte bei n-tv vor nicht absehbaren Folgen. "Wenn Öl über Wochen austritt, müssen wir damit rechnen, dass wir über Jahre dort Schäden haben", so Bussau. Die Katastrophe sei durchaus vergleichbar mit dem Tankerunfall der 'Prestige' im Jahr 2002. Damals wurden mehrere hundert Kilometer vor der nordwestspanischen Küste verseucht. Falls das Leck mit den Unterwasserrobotern nicht gestopft werden könne, müsse eine neue Bohrinsel aufgebaut werden, um das ausfließende Öl umzuleiten. "Aber das dauert natürlich Wochen und Monate", sagte Bussau. Dadurch würde das Ökosystem im Golf von Mexiko völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Das Gift könne auch in die Nahrung geraten.

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Unterwasser-Aufnahme der Unglücksstelle.

(Foto: AP)

Konteradmiralin Mary Landry von der US-Küstenwache warnte davor, dass die Lage ernster werden könne: "Wir müssen uns auf den schlimmsten Fall vorbereiten." Auch ein US-Experte von der renommierten Woods Hole Oceanographic Institution betonte, dass die ökologischen Folgen des Ölaustritts im Golf von Mexiko noch völlig unabsehbar seien. Bisher habe man nur sehr wenig Erfahrungen mit Öllecks im offenen Meer, sagte der Fachmann für Meereschemie, Chris Reddy.

Unglücksserie bei BP

Das Unglück ist für BP bereits der dritte Unglücksfall innerhalb von nur fünf Jahren. Im März 2005  explodierte in Texas eine 500-Hektar-Raffinerie, 15 Menschen starben, mehr als 170 wurden verletzt. Ein Untersuchungsbericht der US-Chemieaufsichtsbehörde CSB stellte später menschliches Versagen fest. 2006 liefen in Alaska mehr als 750.000 Liter Öl aus einer durchgerosteten Pipeline. Bereits damals attackierten Umweltschützer das Unternehmen heftig.

Quelle: n-tv.de, ghö/jmü/rts/dpa

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