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Familienvater aus Drage ist tot Leben Frau und Tochter noch?

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Die Haustür der Familie wurde versiegelt.

(Foto: dpa)

Im Fall der vermissten Familie Schulze bestätigen sich zunehmend die Annahmen für ein Familiendrama. Der Vater ist tot, Frau und Tochter bleiben unauffindbar. Kaum jemand wagt noch zu hoffen, dass sie lebend gefunden werden.

Nach Tagen der Ungewissheit gibt es nun in einem Punkt Klarheit: Der vermisste Marco Schulze ist tot. Er ertrank bereits vor einigen Tagen in der Elbe, ergab die Obduktion. Eine Fremdeinwirkung schließen die Gerichtsmediziner aus. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der 41-Jährige aus eigenem Willen mit einem Betonklotz an den Füßen in die Elbe ging.

Was aber geschah vor dieser Entscheidung? Und vor allem, wo sind die 43-jährige Sylvia Schulze und die 12-jährige Miriam? Für die Ermittler sieht inzwischen alles nach einem erweiterten Suizid aus. So bezeichnen Psychologen Fälle, bei denen Menschen bei ihrem eigenen Suizid bewusst andere mit in den Tod reißen. Meist sind das Familienmitglieder oder andere nahe Angehörige.

Auslöser dafür können akute Lebenskrisen sein. Die Überlegungen, die dahinter stehen, bewegen sich zwischen vermeintlich altruistischen Motiven bis hin zu Verlustängsten oder auch Rachegedanken. "Von der Familie haben uns die Zeugen ein eher unauffälliges Bild beschrieben", sagte Polizeisprecher Jan Krüger am Freitag.

Unauffällige Familie

Doch irgendetwas muss hinter den Mauern des Einfamilienhauses in dem 4100-Einwohner-Ort Drage südöstlich von Hamburg passiert sein. Am Donnerstag vergangener Woche war Marco Schulze das letzte Mal gesehen worden, morgens gegen 7.30 Uhr war er im Auto der Familie unterwegs. Die Spuren seiner Frau und seiner Tochter verlieren sich schon am Tag zuvor. Es war der letzte Schultag in Niedersachsen vor den Sommerferien.

Das Ferienprogramm für die Tochter war bereits organisiert und bezahlt, doch die 12-Jährige tauchte bei ihren Reiterferien nicht auf. Trotzdem war zunächst auch ein spontaner Urlaub denkbar, als die Familie vermisst wurde. Inzwischen glaubt daran niemand mehr, und auch die Möglichkeit eines Unfalls wird immer unwahrscheinlicher.

Nachbarn beschreiben eine unauffällige Familie. Erst kürzlich sei das Paar noch im Ort gesehen worden, wie es Hand in Hand ging. Seit zehn Jahren waren Marco und Sylvia Schulze verheiratet, er stammte aus Zschopau, einer Kleinstadt im sächsischen Erzgebirge, sie aus Gadebusch in Mecklenburg-Vorpommern. Eine ältere Tochter soll bereits ausgezogen sein. Sylvia Schulze arbeitete als Verkäuferin bei einem Discounter, ihr Mann hatte einen Job in einer Chemiefabrik. Beide fehlen seit ihrem Verschwinden unentschuldigt.

Kaum Spuren

Bis zu dem Leichenfund am Freitag stand die Polizei vor einem Rätsel. Offenbar deutete nichts im Haus der Familie auf ein Verbrechen hin, keine Einbruchs- oder Kampfspuren, kein Blut. Weder die Handys der Familienmitglieder lieferten Spuren noch Nachforschungen über die finanzielle Situation. Stattdessen waren sämtliche persönlichen Dinge und Wertsachen im Haus. Auch die Katzen der Familie waren unversorgt zurückgeblieben. Nur ein grünes Herrenrad fehlte.

Das Rad ist ebenso wie Sylvia und Miriam Schulze weiter verschwunden. Ein Fahrrad, das in der Nähe des Leichenfundortes entdeckt worden war, erwies sich nicht als das gesuchte. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass Marco Schulze mit dem gefundenen Damenfahrrad auf die Elbebrücke fuhr, das Rad ins Wasser warf und hinterher sprang. Woher er das Rad hatte, ist noch unklar.

Mit einer 25-köpfigen Sonderkommission arbeitet die Polizei an der Aufklärung des Falles. Die Beamten setzen Spürhunde ein, um die Stelle zu finden, wo Marco Schulze ins Wasser gelangte. Taucher nehmen unter der Lauenburger Brücke den Grund der Elbe unter die Lupe. Sie treibt die Hoffnung auf einen Hinweis und die Befürchtung, weitere Tote zu finden.  

Quelle: n-tv.de

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