Panorama

Sexvideo sollte gezeigt werden Lohfink verlässt empört Gerichtssaal

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Gina-Lisa Lohfink und ihre Anwälte verlassen den Gerichtsaal. Der Grund: Die Öffentlichkeit sollte nicht ausgeschlossen werden, als sich die Richter das Sexvideo ansehen wollten.

(Foto: imago/Thomas Lebie)

Gina-Lisa Lohfink steht wegen falscher Verdächtigung vor Gericht. Als Beweismittel wollen sich die Richter im Saal das Video ansehen, das sie beim Sex mit ihren angeblichen Peinigern zeigt. Das ist zu viel für das Model.

Im Prozess gegen das Model Gina-Lisa Lohfink ist es zu einem Eklat gekommen. Lohfink und ihre Verteidiger verließen empört den Verhandlungssaal im Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Zur Begründung hieß es von ihnen, das Gericht habe die Öffentlichkeit bei einer geplanten Anschauung eines Sex-Videos mit Lohfink nicht ausschließen wollen. Die Richter wollten Filmsequenzen auf einem Laptop, abgewandt vom Publikum und ohne Ton, ansehen. Der Bildschirm wäre für das Publikum im Saal und die Presse nicht sichtbar gewesen.

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In und außerhalb des Gerichtssaals skandierten zahlreiche Unterstützer Lohfinks "Nein heißt Nein" und "Du bist nicht allein".

(Foto: REUTERS)

Wann die Verhandlung fortgesetzt werden sollte, war zunächst unklar. Zuvor waren Zeugen gehört worden. Darunter einer der beiden mutmaßlichen Vergewaltiger, der Fußballer Pardis F.. Er sagte aus, dass der Geschlechtsverkehr zwischen ihm, Lohfink sowie dem Nachtclubangestellten Sebastian C. einvernehmlich gewesen sei. "Ich würde niemals etwas machen, was sie nicht will", sagte F.. Er habe Gefühle für Lohfink gehabt.

Die 29-Jährige ist angeklagt, F. und C. wider besseres Wissen der Vergewaltigung bezichtigt zu haben. Einen entsprechenden Strafbefehl über 24.000 Euro hatten Lohfinks Verteidiger zurückgewiesen, weshalb nun in der Hauptverhandlung das Geschehen in der Samstagnacht vom 2. auf den 3. Juni 2012 aufgeklärt werden soll.

Beide Seiten stützen sich auf Video

Dabei stützen sich beide Seiten auf ein vielfach im Internet verbreitetes Video von dem Geschlechtsverkehr. Auf diesem ist zu sehen, wie Lohfink unter anderem "Hör auf, hör auf" sagt. Dem 28-jährigen Pardis F. zufolge bezogen sich die Äußerungen auf die Videoaufnahmen. Lohfink dagegen sieht das Video als Beweis, dass sie sich gegen den Sex gewehrt habe.

Die durch die Castingshow "Germany's Next Top Model" bekannt gewordene Lohfink sagte vor dem Betreten des Gerichtssaals unter Tränen, sie ziehe "keine Show" ab. "So eine gute Schauspielerin kann man gar nicht sein", fügte sie hinzu. Sie ist demnach überzeugt, dass ihre Trunkenheit ausgenutzt und sie mit K.o.-Tropfen manipuliert wurde.

Lohfinks Anwalt Burkhard Benecke stellte zu Verhandlungsbeginn einen Befangenheitsantrag. Er warf der Vorsitzenden Richterin Antje Ebner unter anderem eine Vorverurteilung der Angeklagten vor, weil Gerichtssprecherin Lisa Jani Tumulte auf dem Gerichtsflur während des ersten Prozesstags als Inszenierung der Verteidigung dargestellt hatte. Über den Befangenheitsantrag soll nach Ende der Beweisaufnahme entschieden werden.

Pardis F.: Karriere hat gelitten

Als erster Zeuge war der für einen Proficlub in Aserbaidschan spielende Pardis F. vorgeladen. Er sagte, er habe damals den Strafbefehl geschluckt, damit die Sache nicht noch weiter öffentlich werde. Während Lohfink nach Bekanntwerden der Videos zum Gesicht der Berliner Erotikmesse Venus geworden sei, habe seine Karriere erheblich gelitten.

Lohfink weinte während der Befragung von Pardis F. und musste den Saal zwischenzeitlich verlassen. F. berichtete, dass er sowohl in der Nacht vor als auch in der Nacht nach der angeblichen Vergewaltigung mit Lohfink geschlafen habe. Lediglich Lohfinks Managerin habe am Sonntagabend auf eine Löschung der Handyvideos bestanden.

Die Videos gelangten dennoch ins Netz. Der 28-jährige Berliner hatte wegen der Verbreitung eine Strafe über 1350 Euro akzeptiert, "weil ich den Medienrummel nicht haben wollte", sagte F.. Das Verfahren gegen C. ruht dagegen, weil sein Wohnort unbekannt ist.

F. stellte sein Verhältnis zu C. als lose Bekanntschaft dar. Lohfinks Verteidiger baten, F. für eine spätere weitere Befragung nicht aus dem Zeugenstand zu entlassen. Sie kündigten an, Beweise vorzulegen, dass F. und C. gemeinsam mit "zahlreichen Prostituierten" geschlafen hätten.

Vor der geplanten Befragung von Lohfinks früherer Managerin sowie der neuerlichen Sichtung der Sexvideos ging das Gericht in die Pause.

Auf der Straße vor dem Gericht versammelten sich Dutzende Unterstützerinnen. Sie sehen in Lohfink eine Vorkämpferin für die Rechte von vergewaltigten Frauen. Auf Plakaten und Transparenten standen Parolen wie "No means no". Frauen klatschten und riefen "Du bist nicht allein", als Lohfink in ärmelloser Bluse und kurzem, engem Rock erschien.

Quelle: ntv.de, dsi/kpi/AFP/dpa

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