Panorama

Notlandung in Katowice Lufthansa-Jet muss umkehren

Ein Zwischenfall im polnischen Luftraum lässt Luftfahrtexperten aufhorchen: Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen fällt bei einer Lufthansa-Maschine ein Triebwerk aus. Menschen kommen nicht zu Schaden. Für Techniker beginnt eine akribische Spurensuche.

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Nach der Notlandung: Die betroffene Maschine auf dem Rollfeld in Katowice.

(Foto: dpa)

Ein Regionalflieger der Deutschen Lufthansa mit 63 Passagieren an Bord ist auf dem Flug nach Frankfurt am Main am Himmel über Polen in Schwierigkeiten geraten. Kurz nach dem Start auf dem Flughafen nahe der polnischen Bezirkshauptstadt Katowice (Kattowitz) habe der Pilot einer Lufthansa-Maschine vom Typ CRJ 700 den Tower über den Ausfall eines der beiden Triebwerke informiert, sagte ein Sprecher des Flughafens.

Bei der CRJ 700 handelt es sich um ein zweistrahliges Passagierflugzeug des kanadischen Herstellers Bombardier mit bis zu 70 Sitzplätzen. Die Spannweite beträgt etwas mehr als 23 Meter, die Länge 32,5 Meter. Das maximale Startgewicht liegt bei 34 Tonnen. Angetrieben wird die CRJ 700 von zwei Turbofan-Jet-Triebwerken vom Typ General Electric CF34. Damit erreicht der Regionaljet eine Flughöhe von bis zu 12.500 Metern bei einer Reisegeschwindigkeit von 820 Stundenkilometern.

Der Triebwerksausfall ereignete sich ersten Angaben zufolge kurz nach dem Start um 6.28 Uhr in Katowice (IATA-Code: KTW). Die Piloten brachen den Flug LH 1363 Richtung Frankfurt umgehend ab und leiteten das vorgeschriebene Verfahren für Notlandungen ein, um umgehend zu ihrem Startflughafen zurückzukehren.

Landung mit halbem Schub

Die Maschine sei um 6.54 Uhr ohne weitere Probleme gelandet, sagte der Flughafensprecher. Niemand sei verletzt worden. Die 67 Menschen an Bord der "Rüdesheim a. Rhein" hätten das Flugzeug sogar regulär verlassen können. Die Notrutschen kamen demnach nicht zum Einsatz. Ein Lufthansa-Sprecher bestätigte, dass Flug LH 1363 wegen Triebwerksproblemen notlanden musste. Zu den Ursachen gab es zunächst keine Erkenntnisse. An Bord befanden sich zwei Piloten und zwei Crew-Mitglieder in der Kabine. Techniker nahmen das beschädigte Triebwerk vor Ort in Augenschein.

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Neben technischen Schwierigkeiten lassen sich auch äußere Einflüsse nicht ausschließen. So geraten zum Beispiel immer wieder auch Vögel in die Flugbahn der Passagierjets, wo sie im Fall einer Kollision erhebliche Schäden im Inneren der Triebwerke verursachen können. Anfällig für Vogelschlag sind Flugzeuge vor allem kurz nach dem Start, da sich die Maschinen dann noch in bodennahen Flughöhen bewegen und die Triebwerke auf Volllast laufen.

Ein seltenes, aber nicht unbedingt ungewöhnliches Ereignis aus dieser Kategorie hatte im Januar 2009 zum Ausfall beide Triebwerke eines Airbus A320 über New York City geführt. Pilot Chesley B. Sullenberger konnte die Maschine damals im Segelflug auf dem Wasser vor Manhattan sicher notwassern. Bekannt wurde Ereignis unter dem Namen "Das Wunder vom Hudson".

Großalarm in Helsinki

Was den Ausfall am Himmel über Katowice verursachte, ist bislang vollkommen offen. Bis zur endgültigen Klärung dürfte der Vorfall nicht nur beim Hersteller des betroffenen Triebwerks Unbehagen auslösen.

Erst Anfang Mai hatte eine Lufthansa-Maschine vom Typ A321 mit Ziel Frankfurt am Main kurz nach dem Start in Helsinki wegen eines Motorschadens wieder umkehren und notlanden müssen. Augenzeugen zufolge soll auch hier eines der beiden Triebwerke ausgefallen sein. Nach dem Start vom dem Flugplatz Helsinki Vantaa (IATA-Code: HEL) seien Flammen zu sehen sowie eine Explosion zu hören gewesen, hieß es. Im Internet kursierende Aufnahmen zeigen einen Brand im linken Triebwerk.

Ursachenforschung im Triebwerk

Auf dem internationalen Flughafen der finnischen Hauptstadt wurde Großalarm für eine Notlandung ausgelöst. Der im Linienverkehr nach Frankfurt eingesetzte Airbus konnte nach Angaben des Senders nach etwa einer halben Stunde ohne Probleme wieder in Vantaa landen. Was die Probleme in diesem Fall auslöste, blieb zunächst unklar.

Die Ursache des Schadens werde untersucht, sagte Lufthansa-Sprecher Christian Gottschalk. Die Passagiere des Fluges LH 851 seien auf andere Maschinen umgebucht worden. Der A321 ist um einiges größer als die CRJ 700 und das "größte Mitglied der A320-Familie", wie es bei Airbus heißt. An Bord des 44,5 Meter langen und bis zu 89 Tonnen schweren Jets finden bis zu 200 Passagiere Platz.

Ein technischer Zusammen zwischen den beiden Vorfällen erscheint wenig wahrscheinlich: Die betreffenden Maschinen fliegen mit unterschiedlichen Triebwerkstypen. Die A321 kann wahlweise mit dem Triebwerksmodell CFM56 (von General Electric und dem französischen Turbinenspezialisten Safran-Snecma) oder V2500 von International Aero Engines ausgerüstet werden.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa