Panorama

Mit Bärten und Pompons Männer in Höschen tanzen gegen Sexismus

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Die Fearleaders aus Wien spielen bewusst mit Klischees.

Sie sind scharf, furchtlos und wackeln in kurzen Höschen mit ihren Pompons und Hintern: Die Fearleaders sind männliche Cheerleader, die im Sport gängige Geschlechterklischees entlarven wollen.

Sie tragen knallenge Höschen, orange Stutzen und Stirnbänder und sehen aus, als wären sie geradewegs einem Aerobicvideo aus den achtziger Jahren entsprungen. Sie wedeln mit ihren Pompons, schlagen Räder und unterscheiden sich nur in einem Punkt von den aus Amerika bekannten Cheerleadern - die Gruppe aus Wien besteht ausschließlich aus Männern. Gestatten: die Fearleders Vienna.

Was ist Roller Derby?

Roller Derby ist eine sogenannte Vollkontaktsportart und wird heute überwiegend von Frauen ausgeübt. Es wird gerempelt, gestoßen, gedrängelt – alles auf Rollschuhen. Vor 70 Jahren etwa war der Sport in den USA eine große Nummer, als die Teams vor Zehntausenden Zuschauern in ausverkauften Arenen gegeneinander antraten.

Seit vier Jahren unterstützen sie mit ihrer Performance das weibliche Wiener Roller-Derby-Team. Zu Beginn habe der Spaß im Vordergrund gestanden, aber das Spiel mit den Geschlechterrollen sei eben auch ein gezieltes Untergraben von Weiblichkeits- und Männlichkeitsbildern, die in den meisten Sportarten "produziert und befeuert" würden, berichtet Andreas Fleck dem österreichischem "Standard". Mit Akrobatik und viel Humor wollen sie alteingesessene Rollenbilder aufbrechen und Männern die Scheu nehmen, ihr machoides Verhalten abzulegen. Und so springen und tanzen die männlichen Cheerleader in der knapp achtminütigen Halbzeitpause in nicht gerade typisch männlicher Manier.

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Der März aus dem aktuellen Fearelli-Kalender: Unschwer zu erkennen, dass es sich hierbei um den gestiefelten Kater handelt.

(Foto: facebook/fearleaders)

Ihre Performances beschreiben sie als "wilde Mischung aus Filmzitaten, Aerobicmoves und dem heißesten Scheiß aus dem Internet". Was auf den ersten Blick bizarr wirken mag, ist ein geschickter Bruch mit gängigen Klischees. Dabei hinterfragen sie auch scheinbar festgefahrene Muster. "Wenn Männer Sport betreiben, sind sie Helden, wenn das Frauen schon machen, müssen sie zumindest sexy dabei sein, damit man oder eben Mann sich das anschauen kann", sagt Fleck. "Deshalb stecken wir unsere Hintern in unsere viel zu enge Höschen, tragen Legwarmer und Stirnbänder, und werfen uns in sexy Posen. Um zu zeigen, wie lächerlich das ist."

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Das Februar-Blatt zeigt des Kaisers neue Kleider.

(Foto: facebook/fearleaders)

Fearelli-Kalender mit weiblichen Posen

Doch nicht jeder versteht, was die Gruppe macht. So rief bei einem Videodreh im Grünen in Wien ein besorgter Fischer die Polizei, weil er dachte, die Männer würden einen Erotikfilm drehen.

Mittlerweile bekommen die Fearleaders mehr Aufmerksamkeit als der Verein, den sie unterstützen. Die Fans reißen sich um die limitierten Karten für die Spiele der Rollergirls. Trotzdem nehmen sich die männlichen Cheerleaders selbst nicht allzu ernst. Stattdessen wollen sie die mediale Aufmerksamkeit nutzen, um weiter auf Themen wie Sexismus, Männerdominanz und Homophobie aufmerksam zu machen.

In Anlehnung an den bekannten Pirelli-Kalender versuchen sich die Fearleader seit 2013 auch als Pin-ups. In dem jährlich erscheinenden "Fearelli" setzen sie sich mit weiblichen Posen auseinander und versuchen ein ironisches, aber nicht lächerliches Pendant zu den peinlichen und sexistischen Pin-up-Kalendern a la Jungbäuerin und Co zu schaffen. Im aktuellen Fearelli werden klassische Märchen neu interpretiert: Im Januar posiert Andreas als Prinz auf der Erbse und Matthias lässt sich im Juli von einem Kollegen aus einem hunderjährigen Schlaf wachküssen.

Quelle: n-tv.de, dsi