Panorama
In dem 15-minütigen Spot für den  Streaming-Dienst LiveLens entschuldigt sich Jantjie erneut für seinen Auftritt im Dezember.
In dem 15-minütigen Spot für den Streaming-Dienst LiveLens entschuldigt sich Jantjie erneut für seinen Auftritt im Dezember.(Foto: Twitter/Adweek)
Freitag, 09. Mai 2014

Makaberer Gag oder Selbstironie?: Mandela-Dolmetscher wird zum Werbestar

Als Pseudo-Übersetzer für Gehörlose bei Nelson Mandelas Trauerfeier erlangt Thamsanqa Jantjie weltweite Bekanntheit. Daraus schlägt der Südafrikaner nun Kapital: In einem Spot wirbt er für eine Streaming-App - mit einer merkwürdigen Begründung.

Der falsche Gebärdendolmetscher von der Trauerfeier für Nelson Mandela macht nun Werbung für eine Streaming-App der israelischen Internetfirma LiveLens. "Hallo, ich bin Thamsanqa Jantjie von der Beisetzung von Nelson Mandela", sagt er zu Beginn des Spots. Dann beginnt der Mann zu gestikulieren, während eine weibliche Stimme seine angeblichen Gesten übersetzt.

"Glauben Sie mir, ich bin ein echter Gebärdendolmetscher, ich spreche die Gebärdensprache - nicht", sagt die Stimme. Wieder ist die echte Stimme Jantjies zu hören, wie sie sagt: "Es tut mir wirklich, wirklich leid, was passiert ist." Auf die folgenden Gebärden spricht die vermeintliche Übersetzerin: "Ich, der berühmte Promi!"

Die israelische Firma LiveLens zeigte sich erstaunt über den Erfolg der Werbekampagne. Zugleich betonte sie auf ihrer Facebook-Seite, der Clip solle keinesfalls Taubstumme diskreditieren. Es sei gut, wenn Leute eine zweite Chance bekämen. "Thamsanqa ist psychisch krank und hat mehrfach zugegeben, dass er einen Fehler gemacht hat. Soll er ein Leben lang dafür büßen?" Nach seinem Auftritt auf der Trauerfeier Mandelas hatte sich Jantjie in einer psychiatrischen Anstalt in Behandlung begeben. Für den Werbespot war er kurzfristig entlassen worden.

Max Bluvband, Vorstandsmitglied von LiveLens, sagte: "Wir freuen uns, den enthusiastischen Thamsanqua in unserem Team zu haben." So würde Menschen klar gemacht werden, dass alles live gefilmt werden könnte.

Der Dolmetscher hatte sein seltsames Verhalten bei der Trauerfeier für Mandela, bei der er unter anderem die Rede von US-Präsident Barack Obama in Gebärdensprache übersetzt hatte, mit einem Schizophrenie-Anfall erklärt. Gehörlose hatten Jantjie nach der Zeremonie als Betrüger bezeichnet und ihm vorgeworfen, auf der Bühne nur "mit den Armen gewedelt" zu haben.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen