Panorama

Erstmals in Deutschland Mann bringt Kind zur Welt

In Berlin bringt ein transsexueller Mann ein Kind zur Welt. Der Mann, der früher eine Frau war, hatte sich einer Hormonbehandlung unterzogen, war biologisch aber noch eine Frau.

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Ein sieben Wochen alter Fötus in einer Fruchtblase.

(Foto: picture alliance / dpa)

Erstmals hat in Deutschland ein Mann ein Kind zur Welt gebracht, der früher eine Frau war. Erst jetzt wurde bekannt, dass der sogenannten "Transmann" das Kind bereits im April geboren haben soll. "Per Hausgeburt", wie die "Bild"-Zeitung schreibt. Laut Vermerk des Jugendamtes Berlin-Neukölln vom 18. März stand eine "Hausgeburt eines Transsexuellen, eines biologisch weiblichen Mannes", bevor. Der weibliche Mann habe sein Kind schließlich mithilfe einer Hebamme zur Welt gebracht.

Nach Angaben des Jugendamtes entschied sich der Mann bewusst für eine Hausgeburt, weil Kliniken verpflichtet seien, bei einer Geburt den Namen der Mutter anzugeben. Das habe der Mann abgelehnt, weil das Kind schließlich auch offiziell keine Mutter, sondern nur einen Vater habe. Dies sei auch so in der Geburtsurkunde des Kindes vermerkt worden. Das Bürgerliche Gesetzbuch sieht ausdrücklich vor, dass Transsexuelle im Personenstandsregister das von ihnen gewählte Geschlecht angeben dürfen.

Solange Transmänner, die weiblich zur Welt kommen, sich männlich fühlen und als Mann leben wollen, noch über Gebärmutter und Eierstöcke verfügen, können sie auch schwanger werden. Daran ändert auch eine Hormonbehandlung nichts, die die Frau zunehmend wie einen Mann aussehen lässt. Im vorliegenden Fall soll der Mann künstlich über eine Samenspende befruchtet worden sein.

Bei dem Baby des Mannes soll es sich um einen Jungen handeln. Dafür gebe es eine rechtsanwaltliche Bestätigung, schreibt die "Bild". Das Jugendamt will nicht ausschließen, dass es sich doch um ein Mädchen handelt. Der Vater habe das Geschlecht des Kindes ursprünglich verheimlichen wollen.

US-Amerikaner bekam bereits drei Kinder

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Der "schwangere Mann" Thomas Beatie (r,) war mit seiner Frau Nancy und seinem ersten Kind, Susan Juliette, 2008 zu Gast bei RTL.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Fall der Berliner Vater-Geburt erinnert an einen transsexuellen Amerikaner, der als "schwangerer Mann" weltweit Schlagzeilen machte. Er hat inzwischen drei Kinder zur Welt gebracht. Der 39-jährige Thomas Beatie war ebenfalls als Frau zur Welt gekommen, hatte sich aber einer teilweisen Geschlechtsumwandlung unterzogen. Er lebte rechtlich als Mann mit seiner Ehefrau Nancy zusammen. Das Paar hatte sich zur "männlichen Schwangerschaft" durch künstliche Befruchtung entschlossen, weil Nancy nach einer Totaloperation nicht schwanger werden konnte.

Beatie hatte sich die Brüste entfernen lassen und eine Therapie mit dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron begonnen. Allerdings ließ sich die ehemalige Frau seinerzeit weder Eierstöcke noch Gebärmutter entfernen. Er und seine Frau hatten in den USA viel Kritik erfahren. Ärzte hatten sich geweigert, ihn zu behandeln. "Ein eigenes Kind zu haben, ist weder ein männlicher noch ein weiblicher Wunsch - es ist ein menschlicher Wunsch", verteidigte sich Beatie, der mittlerweile die finale operative Umwandlung zum Mann hinter sich hat. Damit kann er keine weiteren Kinder mehr bekommen. Im Dezember 2008 war Beatie zu Besuch in Deutschland und Gast beim RTL-Jahresrückblick "Menschen - Bilder - Emotionen". Die Ehe der Beaties ist mittlerweile zerbrochen.

Quelle: ntv.de, ppo

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