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Polizisten wappnen sich Mehr Rentner werden kriminell

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Alte Menschen werden auch häufig Opfer von Straftaten.

(Foto: dpa)

Für die Polizei und Behörden ist es eine ganz neue Herausforderung: In der Zukunft wird es aller Voraussicht nach mehr ältere Straftäter geben. Und das ist nicht die einzige Befürchtung von Fachleuten.

Deutschland muss sich nach Ansicht von Experten auf immer mehr kriminelle Senioren einstellen. "Aufgrund einer älter werdenden Gesellschaft werden wir auch vermehrt ältere Straftäter haben", sagte Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Auf einer Fachtagung beraten derzeit rund 100 Fachleute über Seniorenkriminalität.

Polizei und andere Behörden müssten sich für diese Entwicklung wappnen, beispielsweise durch Fortbildungen, hieß es. Allerdings steige die Zahl älterer Straftäter nicht so stark wie der Anteil der Senioren in der Gesellschaft.

Mehr Bagatelldelikte

Der Kriminologe Frieder Dünkel warnte jedoch vor einem Bedrohungsszenario. Insbesondere auf Täterseite "haben wir es im Allgemeinen nicht mit besonders schwerwiegender Kriminalität zu tun", sagte der der Kriminologe Frieder Dünkel. Demnach begehen Straftäter ab einem Alter von 60 Jahren vorwiegend Bagatelldelikte - etwa Ladendiebstähle, Beleidigungen oder fahrlässige Delikte im Straßenverkehr. "Anders als bei Erscheinungsformen von Jugendgewalt ist ein Bedrohungsszenario in diesem Bereich völlig unangemessen", betonte der Jurist.

"Hier soll die Polizei auf andere gesellschaftliche Hilfesysteme sensibilisiert werden", forderte Dünkel weiter, etwa im Bereich der Sozialhilfe. An den Gerichten hält der Kriminologe eine stärkere Einbeziehung von Sozialarbeitern für sinnvoll. Eine spezielle Polizisten-Ausbildung sei dagegen kaum erforderlich. "Bei alten Menschen geht es vielleicht eher um Gesprächstechnik, und dass man mit ihnen verständnisvoll umgeht, ohne sie zu stigmatisieren." Solche Kommunikationstechniken habe die Polizei aber schon in ihrer Ausbildung vorhanden.

Einem eigenen Seniorenstrafrecht, wie es der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, Anfang des Jahres forderte, steht der Kriminologe Dünkel skeptisch gegenüber. Höchstens bei Haftstrafen im hohen Alter sieht Dünkel einen möglichen Bedarf, diese zu mildern: "Wenn ein 70-Jähriger einen Mord begeht, ist ein lebenslanges Strafurteil sozusagen das Ende für ihn." In den meisten Fällen aber "richtet die Praxis das ganz gut". Da es sich meist nur um Bagatelldelikte handle, würden die meisten Verfahren ohnehin eingestellt.

Mehr häusliche Gewalt in der Pflege

Nach Ansicht der Fachleute wird es auch mehr Opfer im Seniorenalter geben. So könnten die Fälle von häuslicher Gewalt in der Pflege steigen, sagte Thomas Görgen, Professor an der Deutschen Hochschule der Polizei. "Das bleibt für die Polizei ein schwer zugänglicher Bereich."

Bundesweit wurden laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr knapp 55.000 Menschen ab 60 Jahren Opfer von Straftaten. Mehr als sieben Prozent aller erfassten Tatverdächtigen waren 60 Jahre und älter.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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