Panorama

"Frühwarnsystem hat funktioniert" Mehr als 500 Tote bei Tsunami

2010-10-28T151231Z_01_JAK17_RTRMDNP_3_INDONESIA-QUAKE.JPG7242685040128718992.jpg

Verwüstungen auf der Insel Süd-Pagai.

(Foto: REUTERS)

Die drei Meter hohe Flutwelle, die in der Nacht von Montag auf Dienstag Inseln vor der Küste Sumatras überschwemmte, hat vermutlich mehr als 500 Menschen getötet. Das Frühwarnsystem habe funktioniert, sagt das an dem Projekt beteiligte Geoforschungszentrum in Potsdam. Dennoch konnten viele Bewohner nicht rechtzeitig gewarnt werden.

Mehr als zwei Tage nach dem Tsunami haben die indonesischen Behörden kaum noch Hoffnung, Vermisste lebend zu retten. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens 370, die Rettungskräfte rechnen angesichts der hohen Zahl an Vermissten aber mit mehr als 500 Opfern.

Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörden werden noch 338 Menschen vermisst. Mehr als 48 Stunden nach der Katastrophe gebe es aber kaum mehr Hoffnung, Überlebende zu finden, sagte ein Behördenvertreter. "Wir haben die Inseln überflogen und nur Leichen gesehen." Nach seinen Schätzungen überlebten mindestens zwei Drittel der Vermissten die Katastrophe nicht.

Indonesia_Disasters_JAK136.jpg574637933352718010.jpg

Überlebende des Tsunamis in einem Notquartier auf einer der Pagai-Inseln vor Sumatra.

(Foto: AP)

Die abgelegenen Inseln vor der Küste Sumatras waren am Montagabend von einem Erdbeben der Stärke 7,7 erschüttert worden, wenig später traf sie eine drei Meter hohe Flutwelle. Nach ersten Hilfslieferungen per Hubschrauber trafen nach und nach auch Schiffe mit Rettungskräften, Ärzten und Nothilfen auf den rund eine halbe Tagesreise von Sumatra entfernten Inseln ein. Die Regierung entsandte fünf Kriegsschiffe. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono traf am Nachmittag auf den Inseln ein, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

"Alarm bereits nach fünf Minuten"

Das Geoforschungszentrum in Potsdam wies Vermutungen zurück, dass das von ihm mitaufgebaute Tsunami-Warnsystem nicht funktioniert habe. Bereits knapp fünf Minuten nach dem Erdbeben sei von dem Warnsystem in Jakarta aus der Tsunami-Alarm ausgelöst und an rund 400 Einrichtungen wie die Polizei und Katastrophenschutzbehörden geleitet worden.

Jörn Lauterjung vom Forschungszentrum sagte der "Welt", so lange brauche das System, um das Erdbeben zu lokalisieren, zu charakterisieren und ein Lagebild zu erstellen. Aufgrund der direkten Nähe des Ausgangspunkts des Erdbebens zur Küste sei die Warnung zeitgleich mit dem Eintreffen der Welle erfolgt. "Da hätte kein Frühwarnsystem der Welt helfen können", so Lauterjung. Das Zentrum erklärte, die aktuelle Situation zeige, dass es "einen umfassenden Schutz vor Erdbeben und Tsunamis nicht geben kann".

Merapi bricht erneut aus

Der hunderte Kilometer entfernte Vulkan Merapi brach am Donnerstag erneut aus. Beim Ausbruch des aktivsten Vulkans des Landes am Dienstag waren bereits 32 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch der traditionelle "Wächter" des Merapi.

Quelle: ntv.de, AFP