Panorama

Frachter treibt in Adria Mehr als 600 Menschen in Seenot

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An Bord der "Blue Sky M" sollen bewaffnete Personen sein.

(Foto: dpa)

Das Drama um die "Norman Atlantic" ist noch nicht abgeschlossen, da bahnt sich in der Adria die nächste Katastrophe an: Ein Frachter mit mehr als 600 Flüchtlingen gerät in Seenot. Bewaffnete sollen an Bord sein, Marine und Küstenwache sind im Einsatz.

Ein Frachter mit schätzungsweise mehr als 600 Migranten an Bord ist westlich der griechischen Insel Korfu in Seenot geraten. Ein Hubschrauber sei abgeflogen, um sich ein Bild von der Lage zu machen, sagte ein Offizier der Küstenwache. Auch eine Fregatte der griechischen Kriegsmarine und Schnellboote der Küstenwache seien unterwegs. Das gaben das Verteidigungsministerium in Athen und die griechische Küstenwache bekannt.

Aus Kreisen der Küstenwache hieß es, es bestehe nach ersten Einschätzungen keine Gefahr, dass das Schiff mit den Migranten untergehen könnte. Der Bürgermeister der Kleininsel Othonoi, Giorgos Argyros, sagte im griechischen Rundfunk, er könne den Frachter südlich des Eilands sehen. Das Schiff versuche sich mit langsamer Fahrt im "Windschatten" des Eilands zu halten. In der Region wehen nach seinen Schätzungen stürmische Winde der Stärke acht aus nordwestlicher Richtung.

Offenbar handelt sich bei dem Schiff um den Frachter "Blue Sky M", der unter der Flagge Moldaus fährt. Dem Schiffspositionsdienst marinetraffic.com zufolge war das 1976 gebaute Schiff von Istanbul kommend zum kroatischen Hafen Rijeka unterwegs. Griechische Medien berichteten, einige der Menschen an Bord seien bewaffnet. Die Küstenwache geht davon aus, dass es sich bei den Bewaffneten um Schleuser handelt, die zur eigenen Sicherheit Waffen bei sich trugen.

Das Schiff soll sich griechischen Medienberichten zufolge bereits seit Tagen in der Region des Ionischen Meeres im Westen Griechenland bewegt haben. Es wurde vermutet, dass Menschenschlepper Migranten aus Westgriechenland abgeholt haben, um sie nach Italien zu bringen. Internationale Schleuserbanden versuchen immer wieder, Migranten durch das Mittelmeer nach Europa zu bringen. Tausende Migranten sind dabei in den vergangenen Monaten ums Leben gekommen. Ende November waren rund 600 Migranten aus dem Nahen Osten nach einer Havarie eines Frachters auf Kreta sicher gelandet.

Es ist die zweite Notlage eines Schiffes in der Adria binnen Tagen: Am Sonntag war auf einer Fähre zwischen Korfu und Italien ein Feuer ausgebrochen, mindestens zwölf Menschen starben. Das Drama um die Bergung und die Suche nach weiteren Opfern hält weiter an.

Quelle: ntv.de, bdk/dpa