Panorama

Die Reichen werden ausgeflogen Messner kritisiert "Zwei-Klassen-Rettung"

messner.jpg

Reinhold Messner bestieg als erster Mensch und ohne zusätzlichen Sauerstoff alle vierzehn Achttausender der Erde.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Zynisch" nennt der Bergsteiger Reinhold Messner die Rettungsaktion am Mount Everest. Um die, die sich für bis zu 100.000 Dollar eine Besteigung kaufen können, werde ein solcher Hype gemacht. Man sollte zunächst dorthin, wo das Leid am größten ist.

Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal prangert der Bergsteiger Reinhold Messner eine "Zwei-Klassen-Rettung" an. Seiner Meinung nach werden bei den Hilfsaktionen die Prioritäten falsch gesetzt, wie er im Hessischen Rundfunk erläuterte. In erster Linie müsse man den Menschen in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu helfen und nicht den Bergsteigern, erklärte Messner. "Im Kathmandutal und in den Schluchten drum herum ist eine viel größere Katastrophe passiert."

Die Bergsteiger benötigten natürlich auch Hilfe, allerdings nicht vorrangig. "Es ist zynisch, dass man um die Bergsteiger am Mount Everest, die sich für 80.000 bis 100.000 Dollar diese Besteigung kaufen können, einen solchen Hype macht", sagte Messner. Am Mount Everest gebe es genügend Ärzte und Essen. Außerdem könne man die Betroffenen mit dem Hubschrauber ausfliegen.

Hilfsgüter kommen nicht an

Derweil kommen die Retter in den entlegenen Erdbebengebieten nur schwer voran. Hilfsorganisationen berichten, dass Erdrutsche und armbreite Risse viele Straßen des bergigen Landes unpassierbar machen. Einzelne Flugzeuge mit Hilfsgütern mussten umkehren, weil der einzige internationale Flughafen Nepals überlastet war. Selbst in der Hauptstadt Kathmandu gibt es kaum Strom und Benzin.

Das nepalesische Innenministerium gab die Zahl der bestätigten Toten inzwischen mit 3837 allein im eigenen Land an. Zudem starben in Indien mehr als 60 Menschen, in China mindestens 20 Menschen. Das Erdbeben der Stärke 7,8 am Samstag war das stärkste in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Das Epizentrum lag etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu.

Der frühere nepalesische Premierminister Baburam Bhattarai flog zum Epizentrum des Bebens in seine Heimatregion Gorkha. Zu einem Bild, das ein komplett zerstörtes Dorf an einem Hang zeigt, schrieb er auf Twitter: "Noch keine Rettungs- und Hilfsaktionen in entlegenen Bergdörfern! Sendet sofort kleine Helikopter mit Hilfsgütern." Nach Regierungsangaben werden derzeit massenhaft Leichen verbrannt, um Seuchen zu verhindern. Nepal ist ein armes Land, das nur über sechs Hubschrauber verfügt, hinzukommen 20 private. Indien schickte 16 Helikopter zur Hilfe ins Nachbarland.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

Mehr zum Thema