Panorama

Busspuren und Mietfahrräder Mexiko-Stadt soll grüner werden

"Wenn wir sie grüner machen, wird die Stadt überleben können", sagt Marcelo Ebrard. Der 49-Jährige hat sich einiges vorgenommen. Seit gut zwei Jahren regiert er eine der größten Städte der Welt, die Mega-Metropole Mexiko-City. Stinkend, laut, überfüllt und berüchtigt für ihren Smog, ihre Kriminalität, ihren chaotischen Verkehr - so ist die mexikanische Hauptstadt. Mit seinem "Grünen Plan" kämpft Ebrard an vielen Fronten: Er sieht für die kommenden Jahre den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs vor, eine effektive Abfallwirtschaft, Einsparungen beim Wasserverbrauch, ein Radwegenetz und den Ausbau der Solarenergie.

"Wichtig ist, dass die Leute ihren Lebensstil ändern, für ein besseres Leben in der City", sagt der Bürgermeister von der linksgerichteten Partei der Demokratischen Revolution (PRD). Eine Verbesserung der Lebensqualität bedeute weniger Kriminalität, bessere Luft und verantwortungsbewusstere Bürger. Entscheidend dafür sei eine Verringerung des Verkehrs: "Wir wollen uns möglichst von unseren Autos trennen. Es wird ein harter Kampf sein, weil die Menschen ihre Autos nicht einfach hergeben wollen, oder?"

Ausbau des Nahverkehrs

In seinen zwei Jahren als Bürgermeister hat Ebrard Fußgängerzonen durchgesetzt und Straßenverkäufer vom historischen Platz in der Innenstadt verbannt. "Die Leute kehren nun ins Zentrum der Stadt zurück. Damit wird es dort wieder sicherer, weil man auf den Straßen laufen kann. Das wollen wir auch in anderen Teilen der Stadt erreichen."

Inspiriert von den Mietfahrrad-Projekten europäischer Städte will Ebrard, selbst Nachfahre französischer Einwanderer, die Bürger verstärkt zum Radfahren animieren. Schon jetzt strömen Tausende auf Fahrrädern, Rollschuhen und zu Fuß über die großen Verkehrsachsen der Metropole, wenn diese sonntags für den Autoverkehr gesperrt sind. "Wir werden dieses Projekt weiter verfolgen, dieses Jahr werden wir Fahrradbahnen und Fahrradstationen haben. Wenn wir fünf oder sechs Prozent des Verkehrs vom Auto auf das Fahrrad verlegen können, so ist das ein großer Schritt", betont Ebrard.

Erste Priorität habe deshalb der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. "Er soll größer und besser werden, das ist eine sehr große Investition." Der Plan sieht einen Ausbau des weitläufigen Metronetzes von 200 auf 224 Kilometer vor, den Aufbau eines Schnellbus-Systems mit freier Fahrt auf eigenen Fahrbahnen, und die Erneuerung der alten, klapprigen Minibusse. Auch die Taxis der Hauptstadt sollen nach und nach durch neue ersetzt werden - rund 35.000 Fahrzeuge wurden bereits ausgetauscht.

Neue Wege bei der Abfallwirtschaft

Eine Katastrophe droht bei der Wasserversorgung der mehr als 20 Millionen Einwohner im Ballungsraum Mexiko-Stadt. Die übermäßige Nutzung der Wasservorräte in der Grundwasserschicht hat in manchen Teilen der Stadt bereits zu einem bedenklichen Absacken des Bodens geführt, wodurch das Kanalsystem beschädigt wurde. "Wir brauchen eine Menge Wasser und müssen den Verbrauch einschränken", betont Ebrard.

Auch bei der Abfallwirtschaft der Stadt will der Bürgermeister neue Wege gehen, unter anderem wird um die Stilllegung der größten Müllkippe der Stadt gestritten. Mit einer neuen Kampagne will er die Mülltrennung sanktionieren und Müllsünder zu Geldstrafen verdonnern.

Ebrard, der bei vielen Projekten um die Zustimmung seiner Bürger kämpfen muss, hat auch Ambitionen auf das mexikanische Präsidentenamt. Vielleicht hat er auch deshalb eine Reihe beliebter Projekte auf den Weg gebracht, darunter einen öffentlichen Badestrand und ein riesiges Eislaufstadion.

Quelle: ntv.de, Sophie Nicholson, AFP