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Vorsicht vor dem Vogeldreck Millionen Stare plagen Rom

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Letzte Option Regenschirm - noch schaffen es die Römer ohne.

(Foto: picture alliance / dpa)

Alles Gute kommt von oben? Mitnichten. In Rom schützen sich die Menschen mit Schirmen vor dem, was da vom Himmel fällt: Vogeldreck. Die Stare sind da.

Einen Schirm kann man in Rom immer brauchen. Gegen die Sonne, gegen den manchmal schlimmen Regen - und gegen das, was die Vögel fallen lassen. Vor allem in Parks und am Tiber, wo es viele Bäume gibt, haben es sich Stare gemütlich gemacht. Ihr Gesang lässt Einheimische flüchten - oder Schutz unter Schirmen suchen.

Jedes Jahr machen Stare, die zu den häufigsten der einheimischen Singvögel zählen, im Spätherbst Station in Rom - Plage und Attraktion zugleich: Die kunstvollen Formationen am Himmel locken Schaulustige, Fotografen und Vogelkundler. "Das prachtvolle Schauspiel der großen Starenschwärme über Rom ist bekannt", sagt Ulrich Lanz vom Landesbund für Vogelschutz. "Stare haben Gemeinschaftsschlafplätze und sammeln sich dort in den Abendstunden."

Vier Millionen Stare überwintern in Rom

Wenn es in Deutschland und anderen nördlichen Regionen kalt wird, fliegen die Stare zu Millionen in Rom ein - aus keiner anderen Stadt sind solche Riesenschwärme bekannt. "Starenschlafplätze kennen wir bei uns auch, traditionellerweise sind das Plätze im Schilf", sagt der Vogelkundler Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell. "Dass sie in die Innenstadt gehen und in den Bäumen übernachten, ist etwas sehr Ungewöhnliches." Vier Millionen Tiere sollen es sein, die in der Ewigen Stadt den Winter verbringen.

Warum sie ihre Schlafgemeinschaft ausgerechnet mitten in der Stadt bilden, dafür gibt es nur Hypothesen. Laut dem italienischen Vogelschutzbund Lipu sammelten sie sich früher südöstlich von Rom in der von Sümpfen geprägten Pontinischen Ebene. Nach der Trockenlegung in den 1930er und 1940er Jahren siedelten die Stare in die Hauptstadt um. Der Grund laut Valentina Studer vom Lipu: "In der Stadt ist es wärmer." Und die Vögel haben dort weniger Feinde wie Füchse und Marder zu fürchten.

Anders als Tauben finden Stare in der Stadt nichts zu fressen. Deshalb werden sie zu Pendlern. Außerhalb der Wohngebiete finden sie Oliven, Früchte oder Beeren. So verlassen sie morgens die Stadt, um abends in großen Schwärmen zurückzukehren. Manche Römer klagen, gerade sei die Plage besonders schlimm. Laut Studer gibt es aber keine ungewöhnliche Zunahme. Da die Stare ihre Schlafplätze jedes Jahr etwas anders wählten, könne mancherorts der Eindruck einer Zunahme entstehen.

Tiere lassen sich nicht verscheuchen

Strenger Geruch verrät die von den Vögeln bevorzugten Orte. Autos sind mit Kot überzogen, und wenn es regnet, verwandelt er sich auf der Straße in einen schmierigen Belag, gefährlich für Fußgänger und Motorradfahrer. Bars schützen Tische und Gäste draußen mit Schirmen und Markisen. Mancher Römer versucht, die Tiere mit Krach zu verscheuchen. In den vergangenen Jahren wurden sie zur Abschreckung mit ihrem Schrei beschallt, mit dem sie sich vor Feinden warnen.

Die Stadt hat nun auch für dieses Jahr Maßnahmen angekündigt. Umweltreferentin Estella Marino versprach, die Straßenreinigung mit zusätzlichen Kehrmaschinen zu verstärken. Mit Beginn der Dämmerung soll es wieder den Alarmschrei geben. Den Versuch, die Tiere damit zu verscheuchen, gebe es auch in deutschen Weinbergen, sagt Fiedler. Jedoch scheinen die Erfolge begrenzt. Die Vögel lernten schnell, dass keine Gefahr drohe. "Je öfter man das macht, desto weniger funktioniert das", erklärt auch Studer.

Bis etwa Januar nächsten Jahres müssen sich die Römer also mit den Wintergästen auf den Bäumen arrangieren. Erst dann ziehen sie zurück nach Norden. Bis dahin bliebt nur: Der Schutz unterm Schirm.

Quelle: n-tv.de, Sabine Dobel, dpa

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