Panorama
Eli Aviv ist der Herrscher über den Mikrostaat Achsivland.
Eli Aviv ist der Herrscher über den Mikrostaat Achsivland.(Foto: dpa)
Samstag, 05. März 2011

Der exzentrische Diktator von Israel: Mini-Staat überlebt

Hier kommt der Autor hin

Im Norden von Israel existiert schon seit 40 Jahren ein Mikrostaat - eine selbstproklamierte Republik mit zwei Einwohnern. Die Behörden haben alles unternommen, um dem kuriosen Treiben ein Ende zu setzen. Doch der selbst ernannte Präsident ist bis heute nicht gewichen.

Als König von Achsivland hat Eli Avivi ein schönes Leben. Eine alten Dame, vier Hunde und ungefähr zehn Katzen sind seine Untertanen. Das Staatsgebiet misst gerade mal einen Hektar, und die königliche Armee besteht aus allem, was bellt. "Ich bin Präsident, Kanzler und Diktator in einem", sagt der 81-jährige Mann, dem die weißen Haarbüschel buchstäblich aus jeder Pore sprießen. Wenn man so will, ist Achsivland an Israels Nordgrenze einer der kleinsten Freistaaten der Welt.

Gäbe es kein blaues Schild auf dem Weg von Naharija nach Rosch Hanikra, viele Besucher würden Achsivland gar nicht finden. Ein gutes Dutzend Steinbauten und Holzhütten zieren das winzige Königreich. Nur einen Steinwurf entfernt rauscht das Mittelmeer. Im Norden thront das Libanongebirge.

Der schönste Ort auf der Welt

Achsivland im Norden von Israel existiert schon seit 40 Jahren.
Achsivland im Norden von Israel existiert schon seit 40 Jahren.(Foto: dpa)

Eli Avivi lebt seit nunmehr 60 Jahren hier. Sein Gesicht und die Arme hat die Sonne mittlerweile verbrannt. 1951, Israel selbst war erst vor kurzem geboren, entdeckte er als 21-Jähriger das kleine Fleckchen Land an der libanesischen Grenze. "Es ist der schönste Ort, den ich jemals gesehen habe", sagt der ehemalige Seefahrer Avivi, während eine Meeresbrise an seinem langen, weißen Gewand zerrt. Avivi blieb, bis heute.

Sogenannte Mikronationen gibt es viele. Ob Christiania in Kopenhagen oder die Republik Kugelmugel im Wiener Prater - überall auf der Welt rufen widerspenstige Freigeister ihre eigenen Staaten aus. Oft genug werden sie von den zuständigen Behörden schmunzelnd geduldet. Selten unternehmen Beamte etwas gegen die exzentrischen Präsidenten, Könige und Kanzler.

Behörden kommen nicht an

Doch in Israel, wo seit jeher um jeden Quadratmeter Boden gekämpft wird, hatte Eli Avivi es lange Zeit nicht leicht. Mehr als einmal versuchten die Behörden dem schrulligen Treiben ein Ende zu setzen. In den 1970er Jahren rollten plötzlich Bulldozer an, da existierte Achsivland noch nicht einmal. Erst als Israel mit dem Abriss des Grundstücks drohte, proklamierte Avivi kurzerhand seinen eigenen Staat. "Israel hat gegen mich gekämpft, dort wollte ich nicht mehr leben", sagt der 81-Jährige. In Anlehnung an den gleichnamigen Nationalpark um die Ecke taufte Avivi seine Republik "Achsivland".

Prompt wurde der selbst ernannte König vor den Richter zitiert, der am Ende beide Augen zudrückte und Avivi gewähren ließ. "Er hat gesagt, er kennt mich und weiß, dass ich nichts Schlechtes mache", erzählt der alte Mann und lächelt. Offiziell anerkannt ist der Staat freilich nicht. Avivi ist das egal.

Film über die Legende

In dem kleinen Freistaat leben zwei Menschen.
In dem kleinen Freistaat leben zwei Menschen.(Foto: dpa)

Denn heute, 40 Jahre später, hat Eli Avivi Kultstatus in Israel. Es gibt sogar einen Film über den exzentrischen "König" von vier Hunden und zehn Katzen. Über fehlenden "Staatsbesuch" kann Avivi sich nicht beklagen: Schimon Peres, Friedensnobelpreisträger und heute Staatspräsident, schaute schon vorbei. Und die italienische Filmdiva Sophia Loren sonnte sich einen ganzen Monat in Achsivland.

"Er ist eine Legende", sagt eine Besucherin aus Naharija, die ihn regelmäßig besucht. Im Sommer tummeln sich oft Hunderte von Touristen, Musikern und Einheimischen auf dem Gelände. In Achsivland gibt es einen Zeltplatz und zahlreiche Gästezimmer. "Er ist gut für den Tourismus in unserer Region", sagt auch Galia Maor, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung in Naharija. Auch die Behörden haben ihren Frieden mit Eli Avivi gemacht.

Touristen sind begeistert

Besonders deutsche Touristen statten Achsivland gerne einen Besuch ab. "Es ist ein schönes kleines Paradies", sagt Antje Teichert aus Berlin. Im Reiseführer hatte sie über den schrulligen Mikrostaat gelesen und extra einen Umweg gemacht. "Ich komme definitiv wieder", verspricht Teichert. Das Meer, die Ruhe und natürlich der kauzige Mann mit dem Rauschebart haben schon viele Touristen begeistert.

Und wer möchte, dem drückt Eli Avivi auch den Stempel von Achsivland in den Pass. "Dieser Staat existiert, solange ich lebe", sagt der 81-Jährige. Ein Museum besitzt der selbst ernannte König auch schon. Nur ein Thronfolger fehlt.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de