Panorama

Niederlande, Österreich Missbrauch auch im Ausland

Auch in den Niederlanden und Österreich werden Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche bekannt. In den Niederlanden sollen sich Nonnen an kleinen Jungen vergangen haben. Insgesamt meldeten sich in den Niederlanden mehr als 200 mutmaßliche Opfer. In Salzburg hatte am Montag Erzabt Bruno Becker einen sexuellen Missbrauch zugegeben.

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Seine Geschichte ist besonders widerlich: Erzabt Bruno Becker missbrauchte ein Kind, das bereits zwei Mal missbraucht worden war.

(Foto: dpa)

Nach dem Missbrauchskandal in Einrichtungen der katholischen Kirche in Deutschland sind jetzt auch auch Fälle im benachbarten Ausland bekannt worden. In den Niederlanden werden neben zahlreichen Priestern erstmals auch Nonnen beschuldigt, sich an kleinen Jungen vergangen zu haben. In Österreich kommen ebenfalls immer mehr Jahrzehnte zurückliegende Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche ans Tageslicht.

Mehr als 200 mutmaßliche Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche der Niederlande legten bislang Beschwerden bei Behörden und Hilfsorganisationen ein. Die Aufdeckung sei auch durch den Missbrauchsskandal in Deutschland gefördert worden, hieß es in Medienberichten. In der Zeitung "De Telegraaf" schilderte ein heute 63-Jähriger, wie er als knapp Elfähriger von Ordensschwestern in der katholischen Internatsschule "De Munt" in Tegelen unweit der Grenze zu Nordrhein-Westfalen sexuell missbraucht wurde.

Ein Geistlicher gestand in der Zeitung "De Limburger" ein, dass er im Jungenpensionat "St. Maria ter Engelen" mehrfach Zeuge von Kindesmissbrauch durch Priester geworden sei. Kirchenführer in den Niederlanden befürworten eine unabhängige Untersuchung aller Vorwürfe und Verdachtsmomente. Dies wäre "der beste Weg, den Erwartungen der Opfer gerecht zu werden", sagte der Vorsitzende der niederländischen Bischofskonferenz, der Rotterdamer Bischof Ad van Luyn.

Erzabt bot Elfjährigem Hilfe an - und missbrauchte ihn

In Salzburg hatte am Montag Erzabt Bruno Becker einen einmaligen sexuellen Missbrauch eines Minderjährigen vor mehr als 40 Jahren zugegeben und seinen Rücktritt erklärt. Er habe sich bei dem Betroffenen entschuldigt und bedauere seine Tat noch heute aufs Tiefste.

In einer Pressekonferenz des Stifts am Dienstag wurden Ausmaß und Hintergründe der Tat klar: Der damals angehende Priester Becker soll erfahren haben, dass der Elfjährige bereits von zwei anderen Ordensbrüdern missbraucht wurde. Daraufhin bat er ihn unter Vorspiegelung von Hilfe zu einem Gespräch, wo er sich dann selbst an dem Jungen verging. Becker sei selbst als Kind sexuell missbraucht worden, hieß es.

Das Internat des Privatgymnasiums des Bregenzer Zisterzienser-Klosters Mehrerau im Vorarlberg bestätigte einen Missbrauchsfall und körperliche Gewalt in den 1980er Jahren. Ein Fall damals sei nicht angezeigt worden, sagte der Mehrerau-Abt Anselm van der Linde den "Vorarlberger Nachrichten". Der Pater habe damals seine Tat gestanden und die Kirche ihn nach Tirol versetzt. Dort habe der heute 74-Jährige eine Therapie gemacht und arbeite weiter als Priester. 2001 habe dann ein weiterer Geistlicher seines Klosters einen drogensüchtigen Jungen in Innsbruck missbraucht. Er sei sofort suspendiert und vor Gericht verurteilt worden.

Quelle: ntv.de, dpa

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