Panorama

Saudi-Araberin kritisiert Geistliche Mit Protest zum Fernsehstar

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(Foto: picture alliance / dpa)

Mit einem kühnen Gedicht gegen islamische Fundamentalisten kommt eine Saudi-Araberin beim Dichterwettbewerb von Abu Dhabi TV ins Finale - und muss um ihr Leben fürchten.

Es war eine Revolution: Von Kopf bis Fuß verschleiert hat sich eine Saudi-Araberin vor einem Millionenpublikum im Fernsehen die Freiheit genommen, islamische Geistliche zu kritisieren. Damit kam die Mittvierzigerin Hissa Hilal beim Dichterwettbewerb des Senders Abu Dhabi TV ins Finale. Am 31. März könnte sie als Siegerin aus der Show "Dichter für Millionen" hervorgehen und fast eine Million Euro Preisgeld bekommen. Gleichzeitig erhält die Hausfrau und Mutter Todesdrohungen auf arabischen Internetseiten.

Hissa Hilal lebt in einem Land, in dem Frauen nicht einmal Auto fahren dürfen. Auch Reisen ohne männliche Begleitung und die meisten Jobs sind Frauen verboten. Neue Rechtsgutachten fundamentalistischer Geistlicher, sogenannte Fatwas, stellten kürzlich eine Lockerung der strikten Trennung der Geschlechter unter Todesstrafe. Hilal protestierte in ihrem im Fernsehen rezitierten Gedicht "Das Chaos der Fatwas" gegen "das Böse, das von diesen Fatwas kommt". Die verantwortlichen Kleriker vergleicht sie mit Selbstmordattentätern, indem sie sie "Monster mit Gürteln" nennt.

Für Ehrlichkeit und Kraft belohnt

Die Jury der Show belohnte den Mut Hilals, ihre Meinung "ehrlich und kraftvoll" auszudrücken, mit 47 von 50 möglichen Punkten und damit dem besten Ergebnis aller Kandidaten. Videos des unerhörten Vortrags kursieren nun im Internet. "Dichter für Millionen" wird wöchentlich im Staatsfernsehen von Abu Dhabi ausgestrahlt und erreicht bis zu 18 Millionen Zuschauer. Normalerweise messen sich hier Meister des alten Nabati-Stils, der Poesie der Beduinen, die von Arabern der Golfstaaten hoch geschätzt wird.

Auf der islamistischen Website Ana El-Muslim, die auch Nachrichten des Terrornetzwerks El Kaida verbreitet, wurden nach Berichten der saudi-arabischen Tageszeitung "El Watan" bereits Todesdrohungen gegen die revolutionäre Dichterin ausgestoßen. Ein Nutzer des Forums der Seite fragte unverblümt nach Hilals Adresse. "Natürlich haben mein Mann, meine Familie und ich Angst", sagt Hilal. Mit ihrer kühnen Poesie will sie "den Extremismus bekämpfen, der zu einem beunruhigenden Phänomen geworden ist". Vor ein paar Jahren sei die Gesellschaft noch offener gewesen, findet Hilal. "Jetzt sind die Dinge schwieriger geworden. Manche Männer geben weiblichen Familienmitgliedern nicht einmal mehr die Hand, wie sie es früher taten."

Kleriker Abdul Rachman el Barrak gemeint

Beobachter vermuten, dass Hilal mit ihrem Gedicht insbesondere den saudi-arabischen Kleriker Abdul Rachman el Barrak an den Pranger stellt, der mit seiner Fatwa im Februar alle mit dem Tode bedrohte, die ein Zusammentreffen beider Geschlechter in Bildungseinrichtungen und bei der Arbeit fördern. Hilal betont, ihr Protest gegen die Fatwas richte sich vor allem "gegen den Plan, einen Menschen wegen seiner Überzeugungen zu töten". Das Zusammentreffen von Männern und Frauen am Arbeitsplatz sei "eine Notwendigkeit des täglichen Lebens". "Immer heißt es 'haram' - 'verboten'", klagt sie. Dieser gefährliche Extremismus sei nicht mehr auf Saudi-Arabien und die Golfstaaten beschränkt, er breite sich auch auf Ägypten, Jordanien und Syrien aus.

Als der reformorientierte König Abdallah im September am Roten Meer die erste Universität für Männer und Frauen eröffnete, reagierten saudi-arabische Geistliche empört. Auch betraute der Monarch erstmals eine Frau mit einem Ministerposten, als er Nura el Fajes zur stellvertretenden Bildungsministerin ernannte. Hilal beobachtet die Neuerungen mit Hoffnung: "Saudi-Arabien hat in den vergangenen fünf Jahren bei der Verbesserung des Status der Frau große Schritte nach vorn gemacht." Auch sie selbst will dazu beitragen.

Quelle: ntv.de, Wissam Keyrouz, AFP

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