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"Jagd auf Russen" Moskau warnt vor Auslandsreisen

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Besser gar nicht erst ins Ausland? Die Warnung der russischen Regierung vor US-Strafverfolgern wirft viele Fragen auf.

REUTERS

Das Klima zwischen Russland und den USA erreicht einen neuen Tiefpunkt: In einer spektakulären Reisewarnung rät die russische Regierung den Bürgern des Landes generell von Auslandsbesuchen ab. Jenseits der Landesgrenzen, so heißt es, seien sie nicht sicher.

Diese Reisewarnung gilt praktisch für die ganze restliche Welt: Die russische Regierung warnt ihre Bürger vor Reisen ins Ausland, da sie dort von US-Behörden verschleppt oder festgenommen werden könnten. Russen seien in Drittstaaten vor Strafverfolgern oder Sondereinsatzkräften aus den Vereinigten Staaten nicht sicher, erklärte das Außenministerium in Moskau.

"Die amerikanischen Behörden setzen die inakzeptable Praxis fort, in der ganzen Welt Jagd auf Russen zu machen", hieß es in der offenbar ernst gemeinten Verlautbarung, aus der die Nachrichtenagentur Reuters zitierte. Bei ihrer "Jagd" missachteten die USA das Völkerrecht und setzten andere Staaten unter Druck, klagt das russische Außenministerium an. "Washington glaubt, dass es alles tun darf, was es will, und geht dabei soweit, unsere Bürger zu entführen", heißt es in der Reisewarnung weiter.

Warnung an alle Bürger?

Unklar blieb, ob die Warnung auf neue Erkenntnisse zur Sicherheitslage oder gar aktuelle Entführungsfälle zurückgeht. Außerhalb russischer Geheimdienstkreise scheinen derzeit keinerlei Berichte über Entführungen russischer Staatsbürger im Ausland vorzuliegen - schon gar nicht unter Beteiligung von Sondereinsatzkräften aus der USA. Zuletzt hatte allerdings das ukrainische Militär zwei Männer in der Konfliktregion im Osten der Ukraine festgenommen, bei denen es sich um russische Soldaten der Eliteeinheit Speznaz handeln soll.

Offiziell hat Russland bislang stets bestritten, dass reguläre russische Truppen im Osten der Ukraine im Einsatz sind. Eingeräumt wurde höchstens, dass russische Armeeangehörige sich womöglich während ihres Urlaubs auf eigene Faust den prorussischen Separatisten angeschlossen haben könnten. Einem Bericht aus dem Umfeld des Ende Februar in Moskau ermordeten Oppositionsführers Boris Nemzow zufolge liegen für die aktive Beteiligung russischer Armeeangehörige jedoch eindeutige Beweise vor.

Rückzugssignal oder Propaganda?

Ob sich die aktuelle Reisewarnung auf die Ereignisse im sogenannten nahen Ausland - also den Krieg in der Ukraine - beziehen, war zunächst nicht ersichtlich. Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sind so schlecht wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Die USA und die Europäische Union haben wegen der russischen Rolle im Ukraine-Konflikt wirtschaftliche Sanktionen verhängt.

Die Regierung in Moskau streitet bislang alle Vorwürfe vehement ab, dass prorussische Separatisten im Osten der Ukraine direkt von Russland unterstützt würden. Beobachter halten es allerdings für ausgeschlossen, dass sich die Existenz schwerer Waffensysteme wie etwa Kampfpanzer, Artillerie und Flugabwehrraketen russischer Bauart ausschließlich mit eroberten ukrainischen Beständen oder etwa privaten Spenden aus Ausland erklären lassen.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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