Panorama

Reaktion auf Sherpa-Streik Nepal verlängert Everest-Genehmigungen

3i5p5941.jpg6912642932217232959.jpg

Seit der Erstbesteigung durch den Neuseeländer Edmund Hillary und seinen einheimischen Bergführer Tenzing Norgay 1953 kamen mehr als 300 Menschen am Mount Everest ums Leben, die meisten von ihnen waren einheimische Bergführer.

(Foto: dpa)

Einige Sherpas wollen den Mount Everest vorerst nicht besteigen. Die Regierung Nepals macht den Touristen daher Zugeständnisse. Viele Bergsteiger rufen zu Spenden für die Angehörigen auf und auch Kletter-Legende Reinhold Messner meldet sich zu Wort.

Nepals Regierung verlängert nach dem schweren Lawinenunglück am Mount Everest und dem dadurch bedingten Streik zahlreicher Sherpas die diesjährigen Gipfelgenehmigungen. Wer sich nun vom Everest zurückziehe, könne innerhalb von fünf Jahren wiederkommen, ohne noch einmal zahlen zu müssen, teilte das Tourismusministerium mit.

Der Minister Bhim Acharya war ins Basislager am höchsten Berg der Welt geflogen, um die Sherpas zum Weiterarbeiten zu bewegen und damit die Absage aller Touren zu verhindern - anscheinend ohne Erfolg. Mehrere Bergsteiger starteten Hilfs-Initiativen für Angehörige der Opfer des Unglücks. Es war der bislang schlimmste Unfall an dem 8848 Meter hohen Berg im Himalaya.

Bei dem Lawinenunglück am Karfreitag waren 13 Nepalesen getötet worden, drei weitere sind noch unter Schnee und Eis begraben. Derzeit ist die Route auf den Gipfel nicht offen, weil die Lawine die Fixseile und Leitern zerstörte, und während der Trauerphase keinerlei Touren gemacht wurden. Die sogenannten Eisfall-Doktoren, die den besonders gefährlichen Weg durch den Khumbu-Eisfall präparieren, wollen allerdings - wenn nötig - die Route wieder öffnen.

Viele Expeditionen gestrichen

15 der 30 diesjährigen Expeditionen mit insgesamt 734 Teilnehmern entschlossen sich nach offiziellen Angaben zur Umkehr. Die Sherpas im Lager sind uneins darüber, ob sie nach dem Ende der einwöchigen Trauerzeit an diesem Samstag weiter aufsteigen sollen. "Die Meinungen gehen gerade auseinander. Wir sind tief betrübt über den Verlust unserer Brüder. Aber ich finde, wir sollten diejenigen nicht stoppen, die weitergehen möchten", sagte ein Bergführer.

Nachdem bereits drei große Touren-Organisatoren bekanntgegeben hatten, dass sie Besteigungen für dieses Jahr gestrichen haben, schlossen sich ihnen wenig später drei weitere an. Die US-Organisation RMI Expeditions erklärte, dass "die Risiken die Möglichkeit des Erfolgs übersteigen". Neben RMI sagten auch International Mountain Guides aus den USA sowie die von einem Kanadier geführten Peak Freaks ihre Touren ab. Zuvor hatten bereits die in Neuseeland beheimatete Firma Adventure Consultants sowie die Alpine Ascents International und der Discovery Channel ihre Projekte am Mount Everest gestoppt.

Hilfsinitiativen und Spenden

Bergsteiger Tim Rippel berichtete aus dem Basislager, es sei empörend, wie Expeditionen Druck auf die Sherpas ausübten. "So klettern wir nicht auf die Berge!!", schrieb er in seinem Blog. Wut baue sich auf, und manche Sherpas sprächen schon von Vergeltungsmaßnahmen gegen diejenigen, die weitermachen wollen. Deswegen gehe er jetzt nach Hause, und seine Organisation Peak Freaks überlege sich, ob sie überhaupt noch einmal zum Everest zurückkehre. Gruppen-Expeditionen müssen für eine Gipfelgenehmigung mehrere zehntausend Euro zahlen.

Mehrere Bergsteiger, die gerade im Basislager am Everest sind, haben bereits Initiativen für eine Hilfe gestartet oder zu Spenden aufgerufen. Unter ihnen ist der US-Amerikaner Ed Marzec, der seinen persönlichen Bergführer Asa Bahadur Gurung in der Lawine verlor. Er spendete 10.000 US-Dollar (etwa 7240 Euro) und richtete den Sherpa Avalanche Fund für die Familien der 16 Toten ein. "Die 400 Dollar, die die Regierung als Entschädigung zahlt, sind eine Beleidigung", sagte Marzec.

"Lassen wir den Bergen ihre Größe"

Bergsteiger-Legende Reinhold Messner kann verstehen, dass die Sherpas nun nicht aufsteigen wollen. "Ich finde diese Entscheidung sehr mutig und hoffe, dass die Sherpas das durchhalten", sagte er der "Stuttgarter Zeitung". Die jetzige Form des Everest-Tourismus sei ohnehin Selbstbetrug, meint Messner. "Die Leute geben viel Geld aus und glauben, sie haben den Everest bestiegen. In Wirklichkeit haben sie den Everest nicht verstanden und nicht bestiegen und stattdessen viele Leute in den Tod laufen lassen."

Messer forderte ein Ende des Massen-Klettertourismus am höchsten Berg der Welt. "Lassen wir den Bergen ihre Größe, ihre Gefahren und ihre Ausstrahlung", sagte er. Es dürfe weder Seilbahnen noch Straßen oder Pisten bis zum Gipfel geben. Die Regierung in Nepal rief Messner auf, "nur eine Expedition pro Route pro Jahr auf den Berg, ohne Piste" zuzulassen".

Der 69-jährige Messner hatte 1978 zusammen mit einem Kollegen als erster Mensch den Gipfel des Mount Everest ohne Sauerstoffflasche erreicht und zwischen 1970 und 1986 alle insgesamt 14 Achttausender bezwungen.

Quelle: n-tv.de, sno/dpa/AFP

Mehr zum Thema