Panorama

Begehrte exotischen Leichenteile Neuseeland holt Maori-Köpfe zurück

12237146.jpg

Die Maori sind für ihre auffälligen Tätowierungen am Kopf bekannt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mumifizierte Köpfe und Skelette von Maori-Kriegern gelten als wertvoll. Manche Menschen gehen im 18. und 19. Jahrhundert sogar auf die Jagd nach dem in Neuseeland ansässigen Stamm, um die Leichenteile für viel Geld zu verkaufen. Mittlerweile kämpft Neuseeland darum, die Überreste aus den Museen dieser Welt nach Hause zu holen.

Jahrhundertelang galten sie als makabre Schätze in den Ethnologischen Museen der Welt: Mumifizierte Köpfe von Maori-Kriegern, meist reich verziert mit Tätowierungen. In den vergangenen Jahrzehnten kämpfte Neuseeland um die Rückgabe der gruseligen Exponate - mit Erfolg: Inzwischen lagert das staatliche Museum Te Papa in Wellington mehr als 100 Köpfe oder Toi Moko in seinem Fundus, zusammen mit etwa 500 Skeletten, die bis in die 1930er Jahre aus Maori-Gräbern geplündert wurden.

Te Herekiekie Herewini leitet das Rückführungsprogramm. Seinen Angaben zufolge wurden die Köpfe von verstorbenen Häuptlingen oder Familienmitgliedern mumifiziert, um ihren Geist zu bewahren, während die Köpfe von Feinden als Kriegstrophäen galten. "Ursprünglich war die Mumifizierung von Köpfen und Körpern Teil unserer Bestattungsriten", sagt er. "Aber als die Europäer kamen, sahen sie das Exotische an den Köpfen und sie wurden zur begehrten Handelsware, weil sie in Europa, Amerika und Australien wirtschaftlichen Wert hatten." Die floralen Ornamente und geometrischen Muster der Tätowierungen der Männer symbolisierten Rang und Ansehen sowie Erfolge auf dem Schlachtfeld.

Jagd nach den Köpfen

Die Köpfe wurden so wertvoll, dass manche Maori im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert Angehörige von rivalisierenden Stämmen jagten, um die wachsende Nachfrage nach den exotischen Leichenteilen in europäischen Museen zu bedienen. "Für manche Stämme war der Handel mit Toi Moko strategisch wichtig, um an Gewehre und europäisches Werkzeug zu kommen", erklärt Herewini.

In den 1830er Jahren wurde der Handel mit menschlichen Köpfen verboten - mit dem Ergebnis, dass sich die Museen im folgenden Jahrhundert auf Skelette konzentrierten. Auch neuseeländische Medizinstudenten waren an dem Handel beteiligt. Studierten sie in Übersee, wurden sie aufgefordert, selbst Skelette mitzubringen. Die meisten der Knochen stammten aus Maori-Gräbern. "Die Leute gingen zu bekannten Höhlen oder versteckten Maori-Grabstätten und nahmen Knochen ohne Genehmigung mit", sagt Herewini. "Jedes Museum wollte seinen eigenen Maori-Kopf oder sein eigenes Maori-Skelett."

Kampf um Rückführung

Bis in die 1970er Jahre wurden die Mumienköpfe als schaurige Kuriositäten in Museen weltweit - und auch in Neuseeland - ausgestellt. Dann begann der Kampf der Maori um die Rückführung. Dabei stießen sie häufig auf erbitterten Widerstand. Viele Sammlungen und Museen befürchteten, dass dies einen Präzedenzfall schaffen könnte, und eines Tages beispielsweise auch ägyptische Mumien zurückgefordert würden. Im vergangenen Jahr stimmte das französische Parlament schließlich mit überwältigender Mehrheit für die Rückgabe von etwa 15 Köpfen von Maori-Häuptlingen. "Das sind viel mehr als einfache Museumsexponate", sagte die französische Abgeordnete Michèle Tabarot damals. "Das sind menschliche Überreste und manche dieser Menschen wurden absichtlich für ein abscheuliches Gewerbe getötet."

Herewini betont, die Rückgabe sei "die Heimholung von Ahnen". "Sie sind Familienmitglieder und es ist wichtig für sie, dass sie nach Hause kommen zu ihrer Ruhestätte." Idealerweise werden die Überreste den Stämmen übergeben, doch manchmal mangelt es an historischen Unterlagen, so dass etwa ein Viertel der Köpfe und Knochen im Te Papa nicht identifiziert werden konnten. Stattdessen werden sie aufbewahrt und nicht ausgestellt. Nun wird darüber nachgedacht, für sie ein Mausoleum zu bauen. Ein anderer Vorschlag kommt vom Stamm der Ngati Kuri im Norden Neuseelands. Sie wollen die Überreste nahe Kap Reinga bestatten, dem nördlichsten Punkt Neuseelands, wo sich nach ihrem Glauben die Geister der Toten ins Jenseits verabschieden.

Quelle: ntv.de, Neil Sands, AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen