Panorama

Tausende Patienten, kaum Schutz New Yorks Ärzte und Pfleger haben "Angst"

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Mehr als 100.000 Menschen sind in der USA bereits mit dem Virus diagnostiziert worden.

(Foto: picture alliance/dpa)

In New York platzen die Krankenhäuser wegen des Coronavirus aus allen Nähten. Erstmals stirbt nun auch ein Krankenpfleger. Sein Tod verbreitet Angst beim restlichen Personal, sich ebenfalls anzustecken. Schutzausrüstung ist Mangelware, Hoffnungslosigkeit macht sich breit.

Der Höhepunkt der Corona-Ansteckungswelle in New York wird erst in rund drei Wochen erwartet - doch bereits jetzt droht die Lage in der US-Küstenmetropole außer Kontrolle zu geraten. Unter Ärzten und Pflegern im Zentrum der Pandemie in den USA geht die Angst um, sich selbst anzustecken. Seit dem Tod des 48-jährigen Krankenpflegers Kious Kelly ist die Besorgnis noch gestiegen.

Die Arbeitsbelastung für Krankenhauspersonal sei durch die Corona-Krise ins Unermessliche gewachsen, berichten Krankenhausmitarbeiter. Rund um die Uhr werde gearbeitet, um die vielen Coronavirus-Patienten zu versorgen.

Einige Kliniken geraten demnach bereits an ihre Grenzen - auch jene, in der der verstorbenen Pfleger Kelly arbeitete. Mehrere Abteilungen des Mount-Sinai-Krankenhauses im Stadtteil Manhattan platzten wegen der Zahl der Coronavirus-Patienten bereits aus allen Nähten, sagt Kellys Kollegin Diana Torres.

Es herrscht eine "Stimmung der Hoffnungslosigkeit"

Die Krankenschwester berichtet von verheerenden Zuständen in ihrer Reha-Abteilung, in der mindestens drei Corona-Patienten behandelt werden. Erst auf mehrfache Nachfrage hin habe sie Schutzausrüstung für Gesicht und Körper bekommen, schildert Torres. Diese müsse sie jedoch mehrfach benutzen. "Ich habe nichts für meinen Kopf, nichts für meine Schuhe", fügt sie hinzu.

"Es gibt eine Stimmung der Hoffnungslosigkeit", beschreibt die Krankenschwester das Klima in ihrer Klinik. "Jeder hat Angst." Die Krankenhausmitarbeiter seien "erschüttert", dass ihr Kollege Kelly "den höchsten Preis" für die dramatischen Bedingungen habe zahlen müssen.

Sie selbst hat Angst, im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus auch ihre drei Kinder und ihren Mann anzustecken, sagt Torres. Ärzte und Pfleger bewegten sich inzwischen "paranoid" durch die Klinik. "Wir können uns nicht testen lassen" - dies sei Patienten und medizinischem Personal mit schweren Symptomen vorbehalten. Personell sei ihre Klinik so schlecht aufgestellt wie nie zuvor. Die verbliebenen Kollegen müssten viele Überstunden machen, "weil unser eigenes Personal krank geworden ist".

Höhepunkt der Epidemie in drei Wochen erwartet

Gemessen an den Infektionszahlen sind die USA inzwischen das am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land der Welt. Mehr als 100.000 Menschen haben sich dort bereits mit dem Erreger Sars-Cov-2 angesteckt, mehr als 1500 Menschen starben. Besonders dramatisch ist die Lage im Bundesstaat New York - vor allem in der dicht besiedelten gleichnamigen Hauptstadt.

Experten erwarten, dass der Höhepunkt der Ansteckungswelle in der Ostküsten-Metropole erst in etwa drei Wochen erreicht sein soll. Um den Mitarbeitern im Gesundheitswesen Erleichterung zu verschaffen, kündigte Bürgermeister Bill de Blasio an, Verstärkung zu mobilisieren.

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"Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank"

Viele Patienten fühlen sich unterdessen allein gelassen. "Es ist entsetzlich", sagt der Assistenzarzt Andrew. Wegen des Verdachts auf eine Coronavirus-Infektion befindet er sich in häuslicher Quarantäne. "Es gibt nicht genug Geld, nicht genug Tests, nicht genug Schutzmaterial für Menschen, die mit dieser Situation zu tun haben", kritisierte er. Dies betreffe "jeden im Krankenhaus, der dieser riesigen Belastung durch das Virus ausgesetzt ist".

Andrew betont, dass er selbst kein ernster Fall sei. Die Menschen "an der Front" würden jedoch nicht ausreichend geschützt, beklagt er. "Sie sind Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank. Es ist kriminell."

Der Regierung unter US-Präsident Donald Trump macht Andrew heftige Vorwürfe. Wer im Gesundheitswesen arbeite, bringe bereits "große Opfer", sagt der Assistenzarzt. "Es ist eine Schande, dass es so weit gekommen ist." Die Zentralregierung in Washington habe in der Krise "unangemessen" gehandelt. "Mehr Menschen werden sterben."

Quelle: ntv.de, jru/AFP