Panorama

Krampfadern statt Stichwunden Notärztin stellt falsche Todesursache fest

Eine Ärztin attestiert geplatzte Krampfadern als Todesursache eines 51-Jährigen. Bei der Untersuchung übersieht sie jedoch ein wichtiges Detail: Die Leiche weist Stichwunden auf. Der Mann ist keinen natürlichen Tod gestorben.

Eine Notärztin hat im brandenburgischen Prenzlau bei einem Toten eine natürliche Todesursache attestiert, obwohl der Körper drei Stichwunden aufwies. Dies habe eine später angeordnete Obduktion des 51-Jährigen ergeben, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Neuruppin. "Wir waren sprachlos", sagte die Sprecherin. Solch ein Fall einer übersehenen Todesursache sei ihr während ihrer Berufslaufbahn bisher nicht untergekommen.

Die Sprecherin bestätigte einen Bericht des Neubrandenburger "Nordkuriers", wonach Mitte Februar ein 55-Jähriger Bekannter des Toten der Polizei mitteilte, zwei Nächte zuvor mit diesem in dessen Wohnung getrunken zu haben. Auf einmal habe der Freund sich nicht mehr bewegt und habe auch keinen Puls mehr gehabt. Daraufhin brach die Polizei die Wohnung auf. Die Notärztin stellte geplatzte Krampfadern als Todesursache fest.

Der Leichnam wurde zur Beerdigung freigegeben. Nur weil der Zechkumpane in Verdacht geriet, seinem Bekannten keine Hilfe geleistet zu haben, ordnete die Staatsanwaltschaft nachträglich eine Obduktion an. Dabei wurden die Wunden von drei Messerstichen entdeckt, von denen mindestens einer tödlich war.

Gegen den Bekannten des Opfers wird wegen Totschlags ermittelt. Die Staatsanwaltschaft geht bei dem vermutlich alkoholkranken Mann jedoch von verminderter Schuldfähigkeit aus. Er wurde in eine Klinik eingewiesen. Unterdessen sieht die Staatsanwaltschaft keinen Grund, gegen die Notärztin strafrechtlich zu ermitteln.

Quelle: ntv.de, sno/AFP