Panorama

Unbelehrbarer Graffiti-Oldie "OZ" muss wieder ins Gefängnis

Er sieht es als Kunst, das Gericht als Sachbeschädigung: Hamburgs bekanntester Graffiti-Sprayer "OZ" muss wieder hinter Gitter. Der notorische Sprüher konnte noch während des laufenden Verfahrens von seinem illegalen Werk nicht lassen.

Hamburgs Graffiti-Oldie "OZ" muss erneut ins Gefängnis. Das Amtsgericht Hamburg-Barmbek verurteilte ihn zu 14 Monaten Haft. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich der 61-Jährige in elf Fällen der Sachbeschädigung schuldig gemacht hatte. Von 2008 bis 2010 sprühte und schrieb er demnach sogenannte Tags (Schriftzeichen) unter anderem an Hauswände, Brücken und Stromkästen. Die Verteidigung kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.

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Der Künstler verteidigt seine Werke.

(Foto: dpa)

Die Richterin fand klare Worte: "Wir wenden Gesetze an, die nicht von einem Diktator kommen, sondern vom Bundestag." Eine Bewährung könne sie nicht begründen, da "OZ" während des laufenden Prozesses schon wieder beim Sprayen erwischt worden sei. "OZ" hat für seine Sprüherei insgesamt schon rund acht Jahre hinter Gittern verbracht.

Gefasst verfolgte "OZ" die Urteilsverkündung. Die Richterin sagte: "Wir durften uns viel anhören, wie schön das alles ist." Daher müsse wohl zum Ausdruck gebracht werden, worum es eigentlich gehe: Sachbeschädigung. Auf der einen Seite könnten nicht vom Staat Sozialleistungen bezogen, andere Vorgaben aber missachtet werden.

Eigentumsrecht über Kunstfreiheit

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Zur Urteilsverkündung kamen auch viele Unterstützer.

(Foto: dpa)

Ob seine Graffiti als "Kunst" anzusehen seien, wollte sie nicht bewerten. "Einige Sachen von ihm finde ich sogar ganz hübsch. Aber darum geht es hier nicht." Letztlich stehe das Eigentumsrecht ohnehin über der Kunstfreiheit.

Die Frage sei dann, wie ein offenbar Unbelehrbarer zu sanktionieren sei. Dass eine weitere Haftstrafe den Angeklagten zukünftig von weiteren Sachbeschädigungen abhalte, daran glauben weder seine Verteidigung noch die Richterin. Wohl könne das Urteil nach ihrer Überzeugung aber das Ausmaß eindämmen und andere potenzielle Nachahmer abschrecken.

Trotzdem blieb sie unter der seitens der Staatsanwaltschaft geforderten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Die Anklage umfasste zu Beginn 20 Taten, sechs davon wurden im Verfahren eingestellt, für drei Fälle erging ein Freispruch.

Wie schon beim Auftakt im Februar war auch zur Urteilsverkündung das öffentliche Interesse groß. Sympathisanten stellten vor der Tür zum Gerichtssaal ein Schild auf: "Hamburg ohne OZ...ist München". Mehr als 120 000 Mal sind seine typischen Muster und Schriftzüge wie "OZ" oder "USP" im Hamburger Stadtbild zu finden.

Quelle: n-tv.de, dpa

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