Panorama

"Wird die Rechnung begleichen" Obama setzt BP unter Druck

US-Präsident Obama will BP für die drohende Ölpest im Süden der USA voll in die Verantwortung nehmen. Experten schätzen die Kosten auf bis zu 14 Milliarden Dollar. Erst Ausläufer des Ölteppichs treiben an die US-Küste.

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Obama in Louisiana: Der Präsident will BP in die Pflicht nehmen.

(Foto: AP)

Angesichts der Ölpest im Golf von Mexiko hat US-Präsident Barack Obama den britischen Konzern BP in die Pflicht genommen, für die Schäden vollständig aufzukommen. Bei einem Besuch im Bundesstaat Louisiana bezeichnete Obama den Ölteppich als "womöglich beispiellose Umweltkatastrophe". Zugleich verteidigte er das Krisenmanagement der Regierung in Washington.

"Lasse Sie mich deutlich sein: BP ist für dieses Leck verantwortlich. BP wird die Rechnung begleichen", sagte Obama am Sonntag bei einem Besuch in der von der Ölpest betroffenen Küstenregion in Louisiana. Als Präsident der Vereinigten Staaten werde er alles in seiner Macht Stehende veranlassen, damit diese Krise bewältigt werde.

Die Gesamtkosten dieser Havarie mit allen Folgen werden von Experten auf bis zu 14 Milliarden Dollar geschätzt. Allein für die Reinigung verschmutzter Küsten und Meeresregionen würden sieben Milliarden Dollar benötigt. Hinzu kämen die Ausfälle in der Fischerei und im Tourismus. Kaum zu berechnen sind die drohenden Schäden in Flora und Fauna.

Ölpest schwimmt heran

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Die von BP betriebene Bohrinsel "Deep Water Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später im Meer versunken. Seither strömt unaufhörlich Öl in den Golf von Mexiko und bedroht im Süden der USA einzigartige Ökosysteme an den Küsten von Louisiana, Florida, Alabama und Mississippi. Am Freitag hatten die ersten Ausläufer des Ölteppichs die Küste Louisianas erreicht. In den am stärksten betroffenen Gebieten im Golf von Mexiko verhängte die US-Regierung am Sonntag ein zehntägiges Fischfang-Verbot. Vor allem in Louisiana ist der Fischfang ein wichtiger Wirtschaftszweig.

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Bislang haben alle Mittel im Kampf gegen die drohen Ölpest versagt.

(Foto: REUTERS)

Verschlimmert wird die Lage durch schlechtes Wetter mit heftigem Wind: Der hohe Wellengang erschwert das Auslegen schwimmender Barrieren und das Absaugen des Ölfilms. Das Abfackeln von Teilen des Ölteppichs ist seit Tagen nicht mehr möglich gewesen. Bis zum Sonntagabend waren dünne Ausläufer des Ölteppichs in die Kanäle zwischen den kleinen Inseln vor der Küste Louisianas geschwappt. Die ersten schwereren Ölklumpen könnten am Montag oder Dienstag angeschwemmt werden. Dann erreichen die ersten Ölflecken womöglich auch die Küsten von Mississippi und Alabama. Alles hänge von Wetterlage und Windrichtung ab, sagte Admiral Thad Allen. Ihn hat Obama am Samstag zum Einsatzchef im Kampf gegen die Ölpest ernannt.

Suche nach der Unglücksursache

"Wir haben es mit einer massiven und womöglich beispiellosen Umweltkatastrophe zu tun", sagte der US-Präsident. Das nach wie vor ausströmende Öl könne schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft und die Umwelt der US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko haben. Die Ölpest könne die Existenz von tausenden US-Bürgern gefährden, die dort zuhause sind, sagte Obama. Zugleich verteidigte er Präsident die Reaktion Washingtons auf die Ölkatastrophe. Die Regierung habe vom ersten Tag an unnachgiebig "alle Mann an Deck" gerufen um auf die Krise zu reagieren. Obama versprach, künftig im Kampf gegen die Ölpest "keine Anstrengung auszulassen".

Der Chef von BP in den USA, Lamar McKay, sagte am Sonntag dem Fernsehsender ABC, vermutlich habe der Ausfall eines einzelnen Bauteils in der Technik der Plattform "Deepwater Horizon" die Katastrophe ausgelöst. Zugleich verteidigte er den BP-Konzern gegen Kritik. Seine Firma arbeite zeitgleich an mehreren "Fronten". In 1500 Metern Tiefe seien weiterhin Untersee-Roboter im Einsatz, um das Leck an der Unglücksstelle zu schließen. Der Einsatz der ferngesteuerten U-Boote sei wie eine "Operation am offenen Herzen im Dunkeln", sagte McKay. Ingenieure kämen zudem mit dem Bau einer Kuppel, die das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche auffangen soll, schneller voran als gedacht. Die Kuppel soll demnach in sechs bis acht Tagen einsatzbereit sein - zunächst war mit einer Fertigstellung nach zwei bis vier Wochen gerechnet worden.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa/rts

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