Panorama

Tiere vor Kamtschatka verendet Öl ist wohl nicht Ursache des Sterbens

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Das Wasser habe seine Farbe verändert und rieche schlecht, sagt die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

(Foto: dpa)

Erst klagen Surfer über Augenbrennen, dann gibt ein massenhaftes Tiersterben Rätsel auf. Jetzt haben Wissenschaftler das Meerwasser vor der russischen Halbinsel Kamtschatka untersucht. Eine Ölkatastrophe, wie anfangs vermutet, gab es in dem Gebiet wohl nicht. Eine andere Ursache ist wahrscheinlicher.

Die starke Verschmutzung des Meerwassers vor der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten Russlands ist nach Erkenntnissen von Umweltschützern nicht auf ausgelaufenes Öl zurückzuführen. Vielmehr treibe eine gut lösliche und "hochgiftige transparente Substanz" im Wasser, erklärte die Umweltschutzorganisation WWF Russland.

Nach Angaben von Tauchern eines Naturreservats sei es in einer Tiefe von fünf bis zehn Metern zu einem "Massensterben" von Tieren gekommen. 95 Prozent der Organismen in diesem Bereich sind demnach tot. Überlebt hätten lediglich einige wenige große Fische, Garnelen und Krabben, sagten die Wissenschaftler des Kronozki-Naturreservats bei einem Treffen mit Regionalgouverneur Wladimir Solodow. Es handle sich um eine "Umweltkatastrophe" mit "Langzeitfolgen". Greenpeace hatte bereits am Montag von einer "Umweltkatastrophe" gesprochen. Das Wasser habe seine Farbe verändert und rieche schlecht.

Giftige Chemikalien lagern unbewacht

Betroffen ist das Gebiet des Chalatyr-Strandes, der besonders bei Touristen und Surfern beliebt ist, sowie die Avacha-Bucht. Die Experten entnahmen am Dienstag Wasserproben aus dem Ort Kozelsky, wo zu Sowjet-Zeiten giftige Chemikalien im Untergrund der Halbinsel gelagert wurden. Der 1979 eröffnete Standort hat heute keinen rechtmäßigen Eigentümer mehr. "Die naheliegendste Antwort, woher die Verschmutzung kommt, ist der Standort Kozelsky mit den giftigen Chemikalien", sagte Solodow. Nach Angaben von Greenpeace Russland gibt es auf dem unbewachten Gelände "allein nach offiziellen Angaben etwa 108 Tonnen Pestizide und giftige Chemikalien".

Laut der Regionalbehörde entdeckten die Ermittler vor Ort abgeschnittene Stacheldrähte und Schäden an einer Schutzhülle. Auf Anweisung von Staatschef Wladimir Putin wurden Untersuchungen eingeleitet. Die Verschmutzungen waren entdeckt worden, nachdem Surfer sich über Augenbrennen und Rachenschmerzen beklagt hatten. Auch der Dokumentarfilmer und Internet-Star Juri Dud berichtete von seltsamen Symptomen, die Surfer in den vergangenen Wochen bemerkt hätten. "Viele haben den Ozean eilig verlassen. Die Symptome treten auch ohne Kontakt mit dem Wasser auf", sagte er. Kamtschatka ist eine der abgelegensten und unzugänglichsten Regionen Russlands. Die unberührte Halbinsel mit ihren zahlreichen Wildtieren und aktiven Vulkanen ist ein beliebtes Ziel für Abenteuertouristen.

Quelle: ntv.de, ino/AFP

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