Panorama

Schwarze Zukunft Ölpest bedroht Fischer und Hoteliers

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Das Öl bedroht die einzigartige Tierwelt des Mississippi-Deltas.

(Foto: picture alliance / dpa)

Louisiana, Alabama, Mississippi: Die Einwohner bereiten sich auf das Schlimmste vor. Insbesondere die Fischer sehen ihre Existenzen durch das Öl bedroht.

Am Golf von Mexiko machen sich Fischer und Hoteliers auf das Schlimmste gefasst: Ein riesiger Ölteppich bewegt sich auf die amerikanische Küste zu und kann das Lebenswerk der Menschen vernichten, wenn er - wie vorhergesagt - am 30. April aufs Festland trifft. Die Katastrophe könnte zu keiner schlechteren Zeit kommen, ist doch die Austernsaison beendet und beginnt nun der Krabben-Fang.

Für Joe Jenkins, der in Pass Christian im malerischen Mississippi-Delta Austern und Krabben verarbeitet, heißt es nun abwarten und hoffen, dass der Kelch der Umweltkatastrophe an ihm vorübergeht. Dabei könne ab sofort mit dem Fang der Krabben begonnen werden. "Ein Ölteppich würde all die Kerlchen töten", schwant ihm Böses. Rund 100 Fischerboote gibt es in dem geschäftigen Hafen von Pass Christian.

Ölteppich fünfmal so dick wie angenommen

Während die Küstenwache und der Ölmulti BP in einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen, das Auslaufen von Öl aus der explodierten und gesunkenen Bohrinsel "Deepwater Horizon" zu stoppen, bereiten sich die bedrohten Bundesstaaten an der Atlantikküste auf die Abwehr der klebrigen Masse vor. Sie bringen feuerhemmende Sperren in Stellung. Der Ölteppich ist fünf Mal so dick wie ursprünglich angenommen und bedroht die Küste von Louisiana, Mississippi, Alabama und im Nordwesten von Florida. In Louisiana rief der Gouverneur den Notstand aus.

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Die Fischer stehen kurz vor der Krabbensaison.

(Foto: AP)

Die Krabbenfischer wären durch eine Ölpest in ihrer Existenz bedroht. Nach offiziellen Angaben holten sie 2008 Shrimps im Wert von 442 Millionen Dollar aus dem Ozean, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um zwei Prozent bedeutete. Doch den Fischern setzen Billigimporte und fallende Weltmarktpreise zu, wie Deborah Long vom Interessenverband Southern Shrimp Alliance berichtet.

Hurrikansaison potenziert Problem

Auch die Tourismus-Branche, die für die Wirtschaft an der Küste von lebenswichtiger Bedeutung ist, wird durch den Ölteppich bedroht. In Alabama seien Anwohner und Geschäftsleute entsetzt von der Vorstellung, dass der dicke Ölfilm auf die Küste zutreibt. Urlauber ließen 2008 rund 2,3 Milliarden Dollar in der Küstenregion und sicherten damit laut Fremdenverkehrsverein 41.000 Arbeitsplätze.

Doch die Strände in Alabama lassen sich wohl leichter reinigen als die Salzmarschen und Austernriffe. Die Fischer seien unmittelbar gefährdet, sagt George Crozier, der einer Einrichtung der Meeresforschung vorsteht und für die Zukunft schwarz sieht: "Wenn sie es nicht stoppen können und wir drei Monate mit dem Beseitigen des Öls beschäftigt sind, schlittern wir geradewegs in die Hurrikansaison, und dann ist alles möglich, weil wir dann ein richtiges ökologisches Problem bekommen."

Erinnerungen an "Katrina" werden wach

Mit Grauen erinnern sich die Menschen in der Region noch immer an den verheerenden Hurrikan "Katrina", der 2005 New Orleans verwüstete. Für den Umweltschützer Steven Peyronnin ist das Anlass zur Forderung, das Steuer herumzureißen. "Wir laufen direkt in die Katastrophe. Es ist Zeit für den Politikwechsel, für einen offenen Blick auf die Risiken, die wir seit einem Jahrhundert eingegangen sind."

Quelle: ntv.de, Evelina Shmukler, rts

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