Panorama

"Dort ist alles tot" Ölpest zerstört Küstenlandschaft

Die Ölpest hat Louisiana erreicht: Kilometerlange Küstenstreifen sind bereits durch die schwarze Pest zerstört, die örtlichen Behörden befürchten eine Katastrophe. Derweil nimmt der Druck auf die US-Regierung zu, die ihrerseits den Ölkonzern BP heftig kritisiert.

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Das Marschland an der Küste Louisianas: Kilometerlange Streifen sind bereits vom Öl verseucht.

(Foto: REUTERS)

Durch die Ölpest im Golf von Mexiko sind an der Küste des US-Bundesstaates Louisiana bereits dutzende Kilometer des hochsensiblen Marschlandes zerstört worden. Wie die örtlichen Behörden mitteilten, wurden 24 Meilen (rund 38 Kilometer) Schwemmland in der Gemeinde Plaquemines Parish durch das Öl verschmutzt. "Dort ist alles tot", sagte Billy Nungesser, der Vorsteher der Gemeinde, dem US-Sender NBC. Der Ölteppich zerstöre das Schwemmland Zentimeter für Zentimeter und werde in den kommenden Wochen und Monaten weiter an die Küste gespült.

Unterdessen hat die US-Regierung nach wachsender Kritik an ihrem Krisenmanagement den Ölriesen BP zur sofortigen Veröffentlichung aller wichtigen Informationen und Daten aufgefordert. Das sei ein "Muss", schrieben Heimatschutzministerin Janet Napolitano und die Leiterin der Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson, an BP-Chef Tony Haward. "Die Öffentlichkeit und die US-Regierung haben einen Anspruch auf völlige Transparenz in dieser Angelegenheit."

US-Regierung unter Druck

Zuvor war Washington immer schärfer unter Beschuss geraten: Wissenschaftler und Umweltexperten lasten der Regierung an, dass sie sich bei der Einschätzung des Ausmaßes der Ölkatastrophe zu stark auf Angaben von BP verlässt, anstatt eigene Untersuchungen durchzuführen. Hintergrund ist wachsendes Misstrauen darüber, wie akkurat die BP-Angaben über den andauernden Ölaustritt sind.

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Wie viel Öl genau täglich ins Meer sprudelt, ist ungewissen.

(Foto: Reuters)

So geht aus einem im Internet zu sehenden Live-Stream vom Meeresgrund hervor, dass mehr Öl aus dem abgerissenen Steigrohr ins Wasser sprudelt als bisher von BP geschätzt. Dabei ist es nach Angaben des Konzerns mittlerweile gelungen, täglich etwa 700 Tonnen Rohöl direkt aus dem Leck in 1500 Meter Tiefe abzusaugen und auf ein Bohrschiff zu leiten. 700 Tonnen - das entspricht genau den bisherigen BP-Schätzungen der Gesamtmenge, die vor dem Aufsaugen täglich aus zwei Lecks ins Meer gelangt sind.

Eine Reihe von Wissenschaftlern hatte bereits seit Tagen massive Zweifel daran geäußert, dass die BP-Schätzungen akkurat sind. Mehrere Experten nannten in den vergangenen Tagen Werte, die zwischen 2800 bis 14.000 Tonnen täglich liegen.

Schlamm soll helfen

Die Washingtoner Umweltbehörde korrigierte sich inzwischen in einem anderen Punkt selbst: Sie verbot entgegen einer früheren Entscheidung BP die weitere Anwendung der Chemikalie Corexit 9500 zum Zersetzen des Öls unter Wasser. Dafür wurde dem Konzern eine Frist von 72 Stunden eingeräumt. Bereits am Freitag soll BP der EPA eine weniger giftige Alternative zu dem bisher verwendeten Mittel nennen, heißt es in einer entsprechenden Anordnung der Behörde. Zuvor hatten Kongressmitglieder und Umweltschützer Alarm geschlagen: Sie befürchten, dass Corexit langfristige Umweltschäden verursacht.

Die Hoffnungen auf eine Wende im Kampf gegen die Ölpest konzentrieren sich nun auf einen zunächst für Sonntag geplanten BP-Versuch, das Bohrloch zu schließen. Bei der geplanten Methode, die Experten als "Top kill" bezeichnen, werden große Mengen schweren Schlamms unter hohem Druck in die Quelle gepresst. Anschließend soll sie mit Zement endgültig abgedichtet und "versiegelt" werden.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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