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"Alle Wege führen nach Rom" Opfer wollen Klage gegen Papst

Zwar hat die Initiative keine große Aussicht auf Erfolg, symbolisch wirkt sie aber schon: Missbrauchsopfer aus aller Welt reichen beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eine Klage-Schrift gegen Papst Benedikt ein. Der Vorwurf: Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Hoher Besuch: Die Hotelpreise klettern in die Höhe, wenn Papst Benedikt XVI. im September nach Berlin, Erfurt und Freiburg kommt. (Bild: dpa)

Papst Benedikt XVI.

Missbrauchsopfer haben den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu Ermittlungen gegen Papst Benedikt XVI. wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgefordert. Der Papst und drei weitere hochrangige Vatikan-Vertreter sollten für ihre "direkte und Vorgesetzten-Verantwortung für auf der ganzen Welt begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt" angeklagt werden, erklärte das US-Netzwerk von Missbrauchsopfern SNAP. Dazu sei gemeinsam mit Anwälten der US-Menschenrechtsorganisation Centre for Constitutional Rights (CCR) eine Klageschrift eingereicht worden.

"Verbrechen gegen Zehntausende von Opfern, die meisten von ihnen Kinder, sind von Verantwortlichen auf der höchsten Ebene des Vatikans gedeckt worden", erklärte CCR-Anwältin Pamela Spees. "In diesem Fall führen alle Wege wirklich nach Rom." Der Papst und die drei anderen Vatikan-Vertreter seien sowohl als Vorgesetzte der Geistlichen verantwortlich, die sich an Kindern vergingen, als auch, weil sie Verbrechen "direkt" vertuscht hätten. "Sie sollten wie jeder andere Verantwortliche für Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht gebracht werden", erklärte Spees.

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Aktivisten der SNAP weisen auf ihr persönliches Leid hin, verursacht in kirchlichen Einrichtungen.

(Foto: AP)

Neben dem Papst ist das Vorgehen von SNAP und CCR gegen den Staatssekretär des Heiligen Stuhls, den italienischen Kardinal Tarcisio Bertone gerichtet, gegen seinen Vorgänger Kardinal Angelo Sodano und den Vorsitzende der Glaubenskongregation, US-Kardinal William Levada, der im Vatikan für die Untersuchung von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche verantwortlich ist.

Initiative hat kaum Chancen

Nach Angaben von SNAP reisten Missbrauchsopfer aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und den USA nach Den Haag, um der Forderung nach Ermittlungen Nachdruck zu verleihen. Die Organisation fügte der Klageschrift zudem tausende Dokumente bei, die die Vorwürfe eigenen Angaben zufolge untermauern.

Der Völkerrechtler Herman van der Wilt, Professor an der Universität Amsterdam, räumte der Initiative aber wenig Chancen ein. Um vom Internationalen Strafgerichtshof verfolgt zu werden, müssten Verbrechen gegen die Menschlichkeit von Staaten oder staaten-ähnlichen Organisation verübt werden, sagte van der Wilt. Auch könne das Tribunal laut seinem Statut keine Verbrechen untersuchen, die vor dem 1. Juli 2002 verübt wurden. Vatikansprecher Federico Lombardi wollte die Klageschrift nicht kommentieren.

Quelle: n-tv.de, AFP

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