Panorama

Zwölf Millionen von Flut betroffen Pakistan ruft nach Hilfe

Pakistans Premierminister Gilani bittet angesichts der dramatischen Lage im Land um internationale Hilfe. Die Überschwemmungen betreffen laut Behörden schon zwölf Millionen Menschen. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass sich die Situation weiter verschärft.

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Die Wassermassen bahnen sich ihren Weg durch Pakistan.

(Foto: REUTERS)

In einem dramatischen Appell hat Pakistans Regierungschef die internationale Gemeinschaft um sofortige Hilfe im Kampf gegen die Flutkatastrophe gebeten. Die Verluste durch die Überschwemmungen seien "riesig", sagte Premierminister Yusuf Raza Gilani in einer Rede an die Nation. Von den Fluten sind nach Einschätzung der Katastrophenschutzbehörde mittlerweile zwölf Millionen Menschen betroffen. Die Vereinten Nationen befürchten, dass die Lage sich weiter verschlimmern könnte. Schon jetzt sei die Lage ernster als beim schweren Erdbeben von 2005.

"Ich möchte die internationale Gemeinschaft bitten, Pakistan bei der Linderung des Leidens der betroffenen Menschen zu helfen und zu unterstützen", appellierte Gilani in seinem Hilferuf. "Pakistan wurde von den schlimmsten Überschwemmungen seiner Geschichte getroffen", klagte der Regierungschef in seiner im Fernsehen übertragenen Ansprache weiter. "Die Verluste an Menschenleben und Infrastruktur sind riesig und eine wirkliche Einschätzung der Schäden kann erst erfolgen, wenn das Wasser zurückgeht."

Indus schwillt an

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Die Hilfe kommt nur schleppend bei den Flutopfern an.

(Foto: AP)

Nach dem Nordwesten des Landes erreichten die Überschwemmungen inzwischen auch die weiter südlich gelegenen bevölkerungsreichen Provinzen Punjab und Sindh. Der pakistanische Wetterdienst rief Alarmstufe Rot für Sindh aus, da dort innerhalb der nächsten zwei Tage "schwerste Überflutungen" drohten. Vor allem entlang des Flusses Indus seien hunderte Dörfer in Gefahr.

Im ganzen Land sei die Lage wegen der "beispiellosen Überschwemmungen" kritisch, schilderte Armeesprecher Athar Abbas die Situation. Pakistan allein habe nicht genügend Ressourcen um die Katastrophe zu bewältigen.

Heftige Regenfälle wurden auch für die nordwestliche Provinz Khyber Pakhtunkhwa vorhergesagt, wo die Katastrophe vor fast zwei Wochen begonnen hatte. Die Behörden ermahnten die Menschen vor allem entlang der Flüsse zu erhöhter Vorsicht. Dort sind viele, die vor den Fluten geflohen waren, inzwischen wieder in ihre schwer beschädigten Dörfer zurückgekehrt.

Von den schweren Überschwemmungen sind nach Einschätzung der staatlichen Katastrophenschutzbehörde mittlerweile zwölf Millionen Menschen betroffen. Die schlimmsten Überschwemmungen in der Geschichte des Landes beträfen vor allem die Provinzen Punjab und Khyber Pakhtunkhwa, sagte der Chef der Behörde, Nadeem Ahmad.

UN schlägt Alarm

Die Vereinten Nationen (UN) fürchten eine weitere Verschärfung der Flutkatastrophe in Pakistan. "Der Monsun dürfte noch zwei bis vier Wochen andauern. Wenn er so stark weitergeht, wird die Situation noch viel ernster", sagte der UN-Nothilfekoordinator für Pakistan, Martin Mongwanja.

Nach Mongwanjas Worten hat die Katastrophe inzwischen eine Dimension erreicht wie das schwere Erdbeben von 2005. Die Zahl der Toten lag mit mehr als 80.000 zwar deutlich über den 1600 bei der Flut jetzt. Damals hätten aber drei Millionen Menschen versorgt werden müssen. "Jetzt sind es sogar 4,5 Millionen. Sie brauchen erst einmal Nahrung und Wasser, aber auch Decken, Kochstellen und andere ganz grundlegende Sachen." Das Wasser habe 250.000 Häuser unbewohnbar gemacht. 1,5 Millionen Menschen seien obdachlos.

Ein Problem sei nicht nur, dass Millionen Menschen in schlecht erreichbaren Gegenden jetzt schnell Hilfe bräuchten. "Wir müssen mit viel längeren Problemen rechnen. Es gibt massive Ernteverluste durch das Wasser und die Infrastruktur ist in vielen Gegenden zerstört: Brücken, Straßen, Stromversorgung, aber auch Fabriken und Märkte. Nach der ersten Hilfe für die Flüchtlinge wird noch lange Unterstützung nötig sein."

Quelle: ntv.de, AFP/dpa