Panorama

"Wir sind Kirche" kontra Bischöfe Papst-Besuch war wenig hilfreich

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Die Bischöfe wirkten nun ziemlich rat- und hilflos, meint "Wir sind Kirche".

(Foto: dpa)

Unterschiedlicher kann die Bewertung des Papst-Besuches kaum ausfallen: Während die Bischöfe von einer "historischen" Reise sprechen, kritisiert die Reformbewegung "Wir sind Kirche", dass Benedikt XVI. den Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche noch verstärkt habe. Und sie fragt: "Wieso braucht eine Religion einen eigenen Staat?"

Die kirchenkritische Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat die katholischen Bischöfe aufgefordert, Reformen in Deutschland voranzutreiben. Wenn sie nicht endlich die wichtigen gesellschaftlichen Themen angingen, führe der Weg in die Katastrophe, sagte Christian Weisner von "Wir sind Kirche" in Fulda. Die Teilhabe der Laien und vor allem der Frauen am kirchlichen Leben etwa sei eminent wichtig. Die Kirchenkritiker betonten aber auch, dass sie keinen deutschen Sonderweg und keine Abkehr von Rom wollten.

In Fulda werteten die katholischen Oberhirten auf ihrer Herbst-Vollversammlung die Deutschland-Visite von Papst Benedikt XVI. aus. "Der Besuch des Heiligen Vaters hat die Einheit der Kirche gezeigt und gestärkt. Die zahlreichen wertvollen Impulse für unsere Arbeit werden wir aufnehmen und für unsere Arbeit fruchtbar machen", versprach der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zum Abschluss der Vollversammlung. "Der Papst hat uns ermuntert, den Weg der Ökumene weiterzugehen", sagte Erzbischof Zollitsch weiter. Zudem gehe es um eine Vertiefung des Glaubens in Deutschland und eine Erneuerung der Kirche.

"Eine große Chance vertan"

In den Augen der Reformbewegung verlief die Reise des Papstes dagegen enttäuschend. Der Papst habe keine Krisen-Themen angesprochen, die derzeit in Deutschland eine Rolle spielen und auch vom Bundespräsidenten angesprochen wurden. Den Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche in Deutschland habe der Papst eher noch verstärkt. Benedikt XVI. habe eine große Chance vertan. Der auch finanziell aufwendige Staatsbesuch sei wenig hilfreich gewesen. Die Bischöfe wirkten nun ziemlich rat- und hilflos. "Wir stecken in der größten Krise seit der Reformation", befand Weisner.

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Zollitsch ist begeistert von der Papst-Reise.

(Foto: dpa)

In der Diskussion um die vom Papst angesprochene "Entweltlichung" und die Abkehr von staatlichen Privilegien sagte Sigrid Grabmeier von "Wir sind Kirche", der Papst könne mit gutem Beispiel vorangehen. Er solle sich vom Luxus eines eigenen Staates verabschieden: "Wieso braucht eine Religion einen eigenen Staat?"

Zollitsch nannte den Besuch von Benedikt XVI. dagegen "historisch". Der Besuch habe die "Einheit der Kirche gezeigt und gestärkt". Mit Blick auf die Ökumene ging Zollitsch erneut auf Kritik ein, dass der Papst keine konkreten Schritte für eine ökumenische Verständigung vorgeschlagen habe. Wer der Logik politischer Prozesse folgend von dem Treffen mit Vertretern der Protestanten in Erfurt "handhabbare Ergebnisse" erwartet habe, habe diese Geste missverstanden, sagte er. Der Papst habe sich in Erfurt auf den Reformator Marin Luther zubewegt. Es gehe nun darum, gemeinsam mit der evangelischen Kirche die Impulse aufzunehmen.

Keine Abschaffung der Kirchensteuer

Die deutschen Bischöfe sehen zudem keine Notwendigkeit für eine Reform des Kirchensteuerwesens. Zollitsch wies erneut Spekulationen zurück, der Papst habe bei seiner Rede in Freiburg die Abschaffung der Steuer gefordert. "Der Papst spricht nicht von der Abschaffung des Kirchensteuersystems", sagte Zollitsch. In Deutschland genießt die Kirche vor allem das Privileg des Staates, Kirchensteuer einzuziehen und Kinder in Schulen auszubilden.

Die katholischen Bischöfe wollten sich einer Debatte über Privilegien aber nicht verschließen. "Schon heute treffen die Kirche und einzelne Bundesländer immer wieder Absprachen über Änderungen einzelner Staatsleistungen. Die Kirche wird sich Lösungen nicht verschließen, wenn diese ausgewogen sind", sagte Zollitsch. Die Entscheidung liege bei den betroffenen Bistümern. Konkrete Überlegungen gebe es derzeit nicht.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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