Panorama

Abendgebet mit 700.000 Papst auf Marienfeld

Rund 700.000 Jugendliche haben am Samstagabend Papst Benedikt XVI. bei seiner Ankunft auf dem Marienfeld bei Köln begeistert empfangen. Der Papst fuhr auf dem ehemaligen Tagebaugelände im Papamobil vor, um mit den Jugendlichen einen Abendgottesdienst zu feiern. Auf dem 152 Hektar großen Gelände schwenkten die Jugendlichen Fahnen und Transparente. Wie schon am Ankunftstag des Papstes erschallten "Benedetto"-und "Papa"-Rufe. An die Pilger wurden Tausende Kerzenbecher ausgeteilt, die für ein Lichtermeer sorgten.

Benedikt fuhr mit dem Papamobile auf den aus 3000 Tonnen Erde aufgeschütteten Altarhügel. Kurz vor seiner Ankunft war das in den vergangenen Monaten durch Deutschland getragene Weltjugendtagskreuz zum Fuße des Hügels gebracht worden.

Nach Aussage des Papstes tritt Gott nicht in Konkurrenz zu den weltlichen Formen der Macht. "Die Macht Gottes ist anders als die Macht der Mächtigen der Welt. Er stellt der lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt die wehrlose Macht der Liebe gegenüber", sagte er beim Abendgebet auf dem Marienfeld. Zuvor hatte er die Menschen vom Papamobil aus begrüßt. Auf dem Marienfeld findet am Sonntag auch der Abschlussgottesdienst des Weltjugendtags statt.

Terrorismus ist "pervers und grausam"

Zuvor hatte Benedikt XVI. bei einem Treffen mit Muslimen den Terrorismus als "pervers und grausam" verurteilt. Zugleich erinnerte er an Kriege, Gewalt und Hass zwischen Christentum und Islam in der Geschichte. Sowohl der Papst als auch Repräsentanten der Muslime setzten sich für einen verstärkten Dialog ein. "Auch die islamische Welt sollte ihre historische Schuld bekennen und zu einem neuen konstruktiven Anfang bereit sei", sagte Nadeem Elyas vom Zentralrat der Muslime in Deutschland. Der Terrorismus sei der "gemeinsame Feind".

Vatikan-Beobachter nannten die Rede des Papstes an die Muslime ungewöhnlich engagiert. "Der Terrorismus, welcher Herkunft auch sei, ist eine perverse und grausame Entscheidung, die das unantastbare Recht auf Leben mit Füßen tritt und die Fundamente jedes geordneten Zusammenlebens untergräbt", sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Die Attentäter und deren Hintermänner hätte das Ziel, "unsere Beziehungen vergiften zu wollen". Dabei "bedienen sie sich aller Mittel, sogar der Religion ...". Es war Ratzingers erste ausführliche öffentliche Auseinandersetzung mit dem fundamentalistischen Terrorismus seit seiner Papstwahl vor vier Monaten.

Motivation für die Kirche

Von dem Treffen mit dem Papst erhoffe man sich eine "Motivierung der einzelnen Gläubigen, sowohl in den Kirchen als auch in den Moscheengemeinden zu mehr Begegnung und gemeinsamen Aktionen", sagte Elyas nach dem einstündigen Gespräch im Erzbischöflichen Haus. Er fügte allerdings hinzu: "Hier mangelt es beiden Seiten an Mut und Vertrauen." Der Dialog sollte "zu einer festen Institution" werden, etwa in Form eines ständigen Dialogforums. Dabei sollte es auch um Themen wie "Orientierungslosigkeit vieler Jugendlicher, die Bildungsdefizite und zunehmende A-Religiosität" gehen.

Zur schmerzlichen Vergangenheit zwischen Islam und Christentum meinte Elyas: "Es ist ein Gebot der Stunde, einen Schlussstrich unter die schwarzen Kapitel zu ziehen." Dies könne in Form eines großen "Mea Culpa" geschehen, wie es Papst Johannes Paul II. zu Judenverfolgungen getan habe. Aber auch die islamische Welt sollte dabei ihre historische Schuld eingestehen.

Nach Angaben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, verlief die Begegnung in "verständnisvoller Atmosphäre". Bei 3,2 Millionen Muslimen in Deutschland sei es "beim Besuch des Papstes sehr wichtig, darüber zu reden, wie wir ein gemeinsames Zusammenleben gestalten können".

Privataudienzen beim Papst

Am dritten Tag seines Deutschlandbesuchs empfing Benedikt XVI. mehrere Spitzenpolitiker zu Privataudienzen. Er traf in Köln mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zusammen. Insgesamt dauerten die Gespräche im Erzbischöflichen Haus eine Stunde.

Über den Inhalt des Papst-Gesprächs mit Bundeskanzler Schröder machte das Bundespresseamt keine Angaben. Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) versprach dem Papst, ihre Politik nach christlichen Grundsätzen zu orientieren. Dies habe "unmittelbare Auswirkung auf unsere politischen Positionen beispielsweise bei dem Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft sowie der Förderung von Ehe und Familie", schrieb Merkel in einem Beitrag für "Bild am Sonntag. Schröder war in Begleitung seiner Ehefrau Doris Schröder-Köpf, Merkel war mit ihrem Ehemann Joachim Sauer beim Papst.

Quelle: n-tv.de

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