Panorama

Kritiker sprechen von PR-Aktion Papst empfängt Missbrauchsopfer im Vatikan

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Papst Franziskus.

(Foto: dpa)

Sexueller Missbrauch zählt zu den dunkelsten Seiten der katholischen Kirche. Papst Franziskus macht den Kampf dagegen zur Chefsache. Nun trifft er erstmals Opfer im Vatikan. Kritiker halten davon wenig.

Papst Franziskus hat erstmals Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche getroffen und sie dabei demütig um Vergebung "für diese Sünden und schweren Verbrechen" gebeten. Er feierte mit sechs Betroffenen aus Deutschland, Irland und Großbritannien eine Morgenmesse. Danach widmete sich der Papst in ausführlichen Gesprächen - insgesamt drei Stunden lang - jedem Einzelnen der drei Männer und drei Frauen. Die katholische Kirche war vom Skandal um jahrzehntelangen Missbrauch an Heranwachsenden in zahlreichen Ländern massiv erschüttert worden.

Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte sich auf seinen Reisen mehrfach mit Missbrauchsopfern getroffen, nie aber Betroffene im Vatikan empfangen. In seiner Predigt bat Franziskus auch um Verzeihung für jene Kirchenführer, die nicht angemessen auf Berichte über Missbrauch geantwortet hätten. "In der Geistlichkeit ist kein Platz für jene, die Missbrauch begehen", sagte er und bekräftigte, Vergehen an Minderjährigen nicht tolerieren zu wollen. Großer Schmerz und Leid erfülle sein Herz seit einiger Zeit angesichts der Tatsache, dass Priester und Bischöfe mit dem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen deren Unschuld und ihre eigene Berufung als Priester vergewaltigt hätten. Die Universalkirche müsse Minderjährige schützen und auch über die Priesterausbildung solche Sünden aus der Kirche verbannen.

Die Messe feierten Jorge Mario Bergoglio und die Betroffenen in der kleinen Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta. Danach kam der Papst mit den Missbrauchsopfern noch zu dem persönlichen Gespräch zusammen, das jeweils etwa eine halbe Stunden dauerte, wie Vatikan-Sprecher Federico Lombardi berichtete. Die jeweils zwei Betroffenen pro Land wurden dabei entweder von Familienangehörigen oder aber von Personen ihres Vertrauens zum Papst begleitet. "Die Aktion von Papst Franziskus ist ein weiteres Stück Symbolismus, nicht weiter als eine PR-Veranstaltung", kritisierte das deutsche Netzwerk Betroffener von sexueller Gewalt.

Papst sprach von "schwarzer Messe"

Der Papst schare lieber strenggläubige Missbrauchsopfer um sich und bete mit ihnen, anstatt die Betroffenen angemessen zu entschädigen, so der Vorsitzende des Netzwerkes, Norbert Denef. Begegnung auf Augenhöhe sehe anders aus. Franziskus hatte das Treffen selbst angekündigt und der Vatikan in aller Diskretion die als private Begegnung gehaltene Zusammenkunft vorbereitet. Auf dem Rückflug von seiner Reise ins Heilige Land hatte der Papst Ende Mai sexuellen Missbrauch durch Geistliche mit einer "schwarzen Messe" verglichen und scharf verurteilt.

Dies sei ein schweres Problem, bei dem es für die katholische Kirche nur eine Null-Toleranz gebe, sagte Franziskus. Er hatte im Dezember 2013 eine achtköpfige Kommission ins Leben gerufen, die ein gesteigertes Bewusstsein auch von der Verantwortung für Kirche bei sexuellem Missbrauch schaffen soll. Die Kommission ist zur Hälfte von Frauen besetzt, darunter das irische Missbrauchsopfer Marie Collins. Der Präsident dieser Kommission, der Bostoner Kardinal Sean Patrick O'Malley, begleitete auch die Sechser-Gruppe zum Papst.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP