Panorama

Schifffahrt auf dem Rhein Papst in Köln gefeiert

Hunderttausende Menschen haben Papst Benedikt XVI. zum Auftakt seiner ersten Auslandsreise in Köln gefeiert. Bei strahlendem Sonnenschein fuhr der 78-jährige Pontifex wie ein biblischer Menschenfischer am Donnerstag auf dem Rhein durch die Domstadt. Vom Schiff rief der deutsche Pontifex der jubelnden Menge am Ufer - darunter viele Teilnehmer des Weltjugendtages mit Fahnen aus aller Welt - zu, das "außerordentliche spirituelle Erbe" seines Vorgängers Johannes Pauls II. als Verpflichtung zu begreifen: "Nun haben wir alle zusammen die Aufgabe, seine Lehre in die Tat umzusetzen."

Der viertägige Besuch des Papstes gilt dem Weltjugendtag mit 405.000 Pilgern aus fast 200 Ländern. Höhepunkt wird die Papstmesse am Sonntag vor rund 800.000 Gläubigen sein.

Gebet im Kölner Dom

Nach der Rheinfahrt fuhr das Kirchenoberhaupt von weltweit einer Milliarde Katholiken aus Sicherheitsgründen mit dem "Papamobil" zum Kölner Dom. Das letzte Stück ging er zu Fuß, begleitet von jungen Menschen mit dem Kreuz des Weltjugendtags. Unter dem Jubel von tausenden Menschen und Chorgesang im Gotteshaus schritt er zum goldenen Dreikönigsschrein und betete als Pilger kniend vor dem Altar. Nach kirchlicher Überlieferung enthält der Schrein die Knochen der biblischen Heiligen Drei Könige, der ersten Pilger des Christentums.

Anschließend segnete Benedikt die 50.000 Menschen vor dem Dom und fuhr dann im Papamobil durch die Kölner Altstadt zum Erzbischöflichen Haus, wo er während des Besuchs wohnt. Auf dem gesamten Weg winkten ihm Menschen begeistert zu. Für den Papst gilt in Köln die höchste Sicherheitsstufe. Gullydeckel wurden verschweißt, Brücken zeitweise gesperrt und Flugverbote verhängt.

"Lasst euch von Christus überraschen!"

Schon bei seiner Ankunft streckte Benedikt XVI. die Hand aus zu einem Dialog über Religionsgrenzen hinweg. In seiner Ansprache auf dem Flughafen betonte er die Bedeutung der Treffen mit Juden und Moslems. Der Weg des Dialogs und der Zusammenarbeit müsse für eine gerechte und brüderliche, dem Menschen wirklich angemessene Zukunft noch intensiver gegangen werden.

Der Papst richtete sich auf dem Schiff in mehreren Sprachen an die Jugendlichen: "Reißt euer Herz weit auf für Gott, lasst euch von Christus überraschen!" Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sagte, er hoffe, dass der Papstbesuch "den Glauben in unserem Land und in Europa" stärke. "Machen Sie uns Mut, zu einem gemeinsamen, vertieften christlichen Zeugnis."

Begeisterung am Flughafen

Benedikt XVI. war um 11.54 Uhr auf dem Flughafen Köln-Bonn gelandet. "Das ist ein großer, ein schöner Tag für uns alle", sagte Bundespräsident Horst Köhler. Hunderte Zuschauer, darunter viele Teilnehmer des Weltjugendtages, klatschten Beifall, machten La-Ola-Wellen und riefen "Benedetto".

In seiner ersten Rede auf deutschem Boden dankte Benedikt XVI. Gott für die Fügung, dass seine erste Auslandsreise ihn zum XX. Weltjugendtag in seine Heimat führe. Johannes Paul II. hatte noch zu dem Treffen eingeladen. Benedikt XVI. rühmte die Tradition der Weltoffenheit und Solidarität der Deutschen insbesondere zu Gunsten der Dritten Welt. Der Papst rief dazu auf, auch in Zukunft zu einer gerechten und solidarischen Welt beizutragen. Er bete für die Zukunft des Landes. "Gott schütze die Bundesrepublik Deutschland!"

Die Begegnung so vieler Jugendlicher beim Weltjugendtag sei ein Zeichen für die Vitalität der Kirche. "Ich bin glücklich, mitten unter den Jugendlichen zu sein, ihren Glauben, so Gott will, zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben." Zugleich sei er auch sicher, auch etwas von den jungen Leuten zu empfangen, vor allem von ihrer Begeisterung, ihrer Einfühlsamkeit und ihrer Bereitschaft, sich mit den Herausforderungen der Zukunft auseinander zu setzen.

Quelle: ntv.de