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Ansturm der Kardinäle Papst lädt zur Missbrauchsdiskussion

Die Gespräche sind nicht öffentlich und offizielle Erklärungen wird es nach ihrem Abschluss kaum geben: die Zusammenkunft von mehr als einhundert Kardinälen in Rom. Das Treffen hat ein brisantes Thema: im Vatikan wird erstmals der Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche diskutiert.

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Der Papst geht das Thema "Missbrauch durch katholische Geistliche" an.

(Foto: picture alliance / dpa)

Kardinäle aus der ganzen Welt kommen am Freitag im Vatikan erstmals zu Gesprächen über den Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen zusammen. Der Vatikan rechnet mit der Teilnahme von mehr als hundert der weltweit insgesamt 203 Kirchenführer an dem Treffen mit Papst Benedikt XVI. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi warnte im Vorfeld jedoch vor zu hohen Erwartungen. Es gehe bei dem Treffen um die "interne Reflexion und um Kommunikation", sagte er. Offizielle Erklärungen werde es nach den nicht-öffentlichen Gesprächen kaum geben.

Mit dem Treffen reagiert die katholische Kirche auf die zahlreichen Missbrauchsskandale in den USA und in Europa. Vergangenes Jahr hatte ein Bericht in Irland über die jahrzehntelange systematische Verschleierung des Missbrauchs von Minderjährigen durch katholische Geistliche die Öffentlichkeit schockiert und die Kirche selbst in eine tiefe Krise gestürzt. Ähnliche Fälle in Deutschland - der Heimat des Papstes - und anderen Ländern sorgten ebenfalls für öffentliche Empörung.

Der Papst verurteilte wiederholt die Vergehen, traf sich mit Opfern und verschärfte die Regeln der Kirche zum Umgang mit den Tätern. Erst vergangene Woche entsandte der Vatikan vier Sonderbeauftragte nach Irland, um sich mit Missbrauchsopfern zu treffen und die Maßnahmen zu überprüfen, die eine Wiederholung der Vorfälle verhindern sollen. Wie der Vatikan erklärte, soll die Mission der Kirche helfen, "sich selbst zu reinigen".

Erwartungen

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Dem ehemaligen Bischof von Augsburg, Walter Mixa, kosteten Misshandlungsvorwürfe sein Amt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vertreter von Missbrauchsopfern werfen der katholischen Kirche jedoch vor, nicht entschieden genug gegen diejenigen vorzugehen, die den Missbrauch gedeckt hatten. Erst im Oktober machten dutzende Missbrauchsopfer lautstark ihrem Unmut Luft und forderten, den Papst selbst vor Gericht zu stellen. Das US-Netzwerk von Missbrauchsopfern SNAP reagierte zurückhaltend auf das geplante Treffen der Kardinäle und wollte zunächst dessen Ergebnisse abwarten.

Geleitet wird das Treffen am Freitag vom Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada. Der frühere Erzbischof von San Francisco ist der Nachfolger des jetzigen Papstes an der Spitze der Institution zur Wahrung der Glaubenslehre. Erwartet wird, dass etwa 105 Kardinäle, die wegen ihres Rechts zur Wahl des Papstes eine besondere Rolle in der Kirche besitzen, an dem Treffen teilnehmen.

Bei den Gesprächen soll es auch um die Frage von Übertritten von Angehörigen der anglikanischen zur katholischen Kirche gehen. Das Thema ist besonders brisant, seit Anfang dieses Monats fünf anglikanische Bischöfe aus Ärger über die Zulassung von Frauen und Schwulen zur Priesterweihe ihren Wechsel bekannt gaben. Sie folgten damit einem Angebot des Papstes vom vergangenen Jahr. Die anglikanische Kirche äußerte ihr Bedauern darüber.

Auch das Oberhaupt der Anglikaner, der Erzbischof von Canterbury Rowan Williams, ist am Donnerstag in Rom, um an einer Konferenz über die Einheit des Christentums teilzunehmen. Laut seines Pressedienstes will er sich an diesem Tag auch mit dem Papst treffen. Am Samstag treffen sich die Kardinäle zu einem Konsistorium, bei dem 24 Bischöfe in den Kardinalsstand erhoben werden, darunter auch der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx.

Quelle: n-tv.de, sni/Michele Leridon, AFP

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