Panorama

Schwere Missbrauchsvorwürfe Papst setzt Nuntius ab

Der päpstliche Botschafter in der Dominikanischen Republik soll für Sex mit Kindern bezahlt haben. Der Vatikan und die örtliche Staatsanwaltschaft ermitteln. Anzeige ist gegen den polnischen Erzbischof Wesolowski noch nicht erstattet worden.

3dry3943.jpg7073262331887838890.jpg

Josef Wesolowski

(Foto: dpa)

Nach Missbrauchsvorwürfen hat der Vatikan seinen Botschafter aus der Dominikanischen Republik abberufen. Papst Franziskus habe den polnischen Erzbischof Josef Wesolowski persönlich von seinen Aufgaben entbunden, berichtete die italienische Zeitung "La Stampa". Vatikan-Sprecher Federico Lombardi bestätigte die Abberufung, nannte jedoch keine weiteren Details oder Gründe. Der Vatikan habe eine Untersuchung zu dem Fall eingeleitet.

Laut einem Bericht der dominikanischen Zeitung "Listín Diario" ist bereits ein Gesandter der Glaubenskongregation in den Karibik-Staat gereist, um die Ermittlungen aufzunehmen. Die Kirche respektiere allerdings die Kompetenzen der staatlichen Strafverfolgungsbehörden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Kirchenkreise.

Die dominikanische Bischofskonferenz zeigte sich betroffen von den Missbrauchsvorwürfen gegen Wesolowski. "Man kann nicht rechtfertigen, für was es keine Entschuldigung gibt", zitierte das Nachrichtenportal Diario Digital RD nach einer Sondersitzung am Donnerstag aus einer Erklärung der Bischöfe. "Wer falsch gehandelt hat, muss sich den Konsequenzen stellen", sagte demnach Kardinal López Rodríguez.

Der Sprecher des Bischofskonferenz, Manuel Ruiz, erinnerte allerdings auch daran, dass bislang keine Beweise gegen Wesolowski vorlägen, wie die Nachrichtenseite 7dias.com berichtete. Es gelte die Unschuldsvermutung, sagte Ruiz.

Anklage in der Dominikanischen Republik?

Unterdessen leitete die Staatsanwaltschaft ihrerseits Ermittlungen gegen den früheren Nuntius ein. Strafantrag sei bislang allerdings noch nicht gestellt worden, zitierte "Listín Diario" die Staatsanwältin Yeni Berenice Reynoso.

Wesolowski soll für Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen bezahlt haben, hieß es in einem Fernsehbericht der investigativen Journalistin Nuria Piera. "Die Vorwürfe müssen geprüft und mit aller Konsequenz untersucht werden, ohne Rücksicht darauf, wer die Opfer oder die Täter sind", sagte Staatsanwältin Reynoso.

Auch wenn sich die Vorwürfe gegen Wesolowski erhärten sollten, ist unklar, ob er in der Dominikanischen Republik angeklagt werden kann. Zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Taten genoss er als Botschafter diplomatische Immunität.

Allerdings könnte ihm nach dem vatikanischen Strafrecht der Prozess gemacht werden, wie 7dias.com berichtete. Die Paragrafen zum Kindermissbrauch sind erst kürzlich verschärft worden.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema