Panorama

Pädophile Pater Papst verurteilt Missbrauch

Der sexuelle Missbrauch von Kindern in Einrichtungen der katholischen Kirche setzt den Pontifex zunehmend unter Handlungsdruck. Zunächst bleibt dem Papst jedoch nichts anderes, als die Vorfälle zu bedauern. Am Berliner Canisius-Kolleg laufen unterdessen Security-Leute auf.

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Papst Benedikt XVI. bedauert - mehr noch nicht.

(Foto: dpa)

Papst Benedikt XVI. hat den Missbrauch von Kindern innerhalb der katholischen Kirche bedauert. Einige Mitglieder der Kirche hätten "in verschiedenen Fällen" die Würde und Rechte von Minderjährigen verletzt, sagte der Benedikt XVI. bei einer Tagung des päpstlichen Rats für die Familie im Vatikan. Dies sei "ein Verhalten, bei dem die Kirche nicht versäumt und auch in Zukunft nicht versäumen wird, es zu missbilligen und es zu verurteilen". Der Papst nahm in seiner Ansprache nicht ausdrücklich Bezug auf den Missbrauchsskandal an deutschen Jesuitenschulen, der von Enthüllungen am Berliner Canisius-Kolleg ausging.

Der Vatikan hatte sich zuvor jedoch hinter die Bitte um Entschuldigung des deutschen Jesuiten-Chefs Stefan Dartmann gestellt, diese sei "umfassend". Man werde sich daher nicht noch in einer eigenen Stellungnahme äußern, sei aber in "völliger Übereinstimmung" mit dem, was Dartmann gesagt habe. Dieser hatte vor einer Woche im Namen des Ordens bei den "Opfern von Übergriffen unserer ehemaligen Mitbrüder" um Entschuldigung gebeten.

Verantwortlich sein sollen drei Pater des katholischen Ordens, die jahrzehntelang an verschiedenen Orten als Lehrer und Jugendseelsorger tätig waren. Bislang meldeten sich bundesweit etwa 30 potenzielle Opfer der Beschuldigten, die ihre Taten teilweise einräumten. Die Leitung der Jesuiten gab zu, dass der deutsche Orden schon in den 80er Jahren Hinweise auf mögliche Missbrauchsfälle hatte. Die Ordensführung habe keine Anzeigen erstattet und versucht, das Problem intern zu regeln.

Der Rektor des Bonner Aloisius-Kollegs trat wegen der Geschehnisse mit sofortiger Wirkung zurück. Das teilte die Deutsche Provinz der Jesuiten mit. Der Pater halte diesen Schritt auch wegen der gegen ihn gerichteten Vorwürfe - etwa der Mitwisserschaft - im Interesse einer lückenlosen Aufklärung für angeraten, hieß es. Dartmann habe den Rücktritt angenommen. In den nächsten Tagen werde eine kommissarische Leitung des Kollegs bestellt.

Schutz vor Schaulustigen

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Medienvertreter vor der Berliner Schule.

(Foto: dpa)

Auch in anderen Ländern haben Skandale um pädophile Geistliche die katholische Kirche erschüttert. Im Dezember entschuldigte sich Benedikt XVI. für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester in Irland. Ein Bericht der irischen Regierung hatte zuvor aufgedeckt, dass vier frühere Erzbischöfe von Dublin systematisch katholische Geistliche schützten, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten. In der Vergangenheit hatte sich der Papst bereits für die Misshandlungen von Kindern durch Priester in den USA, Australien und Kanada entschuldigt.

Am Berliner Canisius-Gymnasium nahm die Schule unter verschärften Sicherheitsbedingungen den Unterricht nach den Winterferien wieder auf. Security-Kräfte versperrten für Fremde den Eingang zum Schulgelände. So sollten die Schüler vor Schaulustigen und Journalisten geschützt werden. "An diesem ersten Schultag müssen wir sichern, dass die Kinder in der Schule ihre Ruhe haben können", sagte ein Sprecher der Schule. Viele Eltern sorgten sich um ihre Schützlinge und brachten sie selbst zum Kolleg. "Ich will nicht, dass meine Tochter angesprochen wird", sagte ein Vater. Die Vorfälle selbst beunruhigten die Eltern weniger: "Das ist schon so lange her, ich mache mir keine Sorgen um mein Kind", sagte ein anderer Vater.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP