Panorama

Kinder gefoltert Paul Schäfer erneut verurteilt

Der Gründer der berüchtigten früheren Deutschen-Siedlung "Colonia Dignidad" in Chile, Paul Schäfer, ist wegen Folter von Kindern zu weiteren drei Jahren und einem Tag Gefängnis verurteilt worden. Bei den Opfern habe es sich um acht Kinder gehandelt, die zwischen 1970 und 1980 in dem Krankenhaus der Siedlung mit Psychopharmaka und Elektroschocks gequält worden seien, befanden die Richter in Santiago de Chile.

Die Kinder seien zudem von ihren Eltern getrennt und durch Anwendung körperlicher Gewalt an der Ausbildung einer normalen Sexualität gehindert worden. Schäfer war in mehreren Strafprozessen wegen Kindesmissbrauchs in 25 Fällen, Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie unerlaubten Waffenbesitzes bereits zu insgesamt 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Gegen Schäfer liefen in Deutschland Ende der 1950er Jahre Ermittlungen wegen des Missbrauchs von Minderjährigen. Anfang der 1960er Jahre überredete er eine Gruppe religiös geprägter Deutscher, mit ihm nach Chile auszuwandern und im Süden des Landes die landwirtschaftliche Siedlung in der Nähe der Stadt Parral zu gründen. Hunderte von Mitgliedern der sektenartigen Gemeinschaft lebten dort völlig isoliert von der Außenwelt. Sie durften die Siedlung nicht verlassen.

Unumschränkter Herrscher

Kinder wurden von ihren Eltern getrennt und oftmals von Schäfer sexuell missbraucht. Ehen oder Liebesbeziehungen zwischen den Siedlern waren verboten. Viele wagten erst vor kurzem, über ihre Leiden zu sprechen. Schäfer spielte sich zum unumschränkten Herrscher auf und befestigte das riesige Anwesen wie eine Trutzburg mit Elektrozäunen und Kameraüberwachung. Später legte er sogar ein Arsenal von Kriegswaffen an, um einen behaupteten Angriff der Chilenen während der Präsidentschaft des linksgerichteten Präsidenten Salvador Allende zurückschlagen zu können.

Während der Pinochet-Diktatur (1973-1990) arbeitete die "Colonia Dignidad" dann eng mit der gefürchteten Geheimpolizei Dina zusammen. So wurde das Lager für Folter und die Ermordung von Regimegegnern genutzt. Kurz nach dem Ende der Pinochet-Diktatur verlor das Lager seinen privilegierten juristischen Status, wurde in "Villa Baviera" (Bayerisches Dorf) umbenannt, und ihre Führungsmitglieder wurden von der Justiz verfolgt und inhaftiert. Schäfer war 1997 wegen der beginnenden Strafermittlungen gegen ihn untergetaucht und war erst 2005 in Argentinien festgenommen und nach Chile abgeschoben worden.

Quelle: n-tv.de