Panorama

Journalist, Autor, Nahost-Experte Peter Scholl-Latour ist tot

Der Journalist Peter Scholl-Latour sitzt am 28.02.2014 am Schreibtisch in seiner Wohnung in Berlin. Er ist der berühmteste Kriegsreporter der Republik: Peter Scholl-Latour erklärt den Deutschen seit sechs Jahrzehnten die Welt. Mit 90 ist er noch immer unterwegs - demnächst im Tschad. Aber er vertraut weder dem arabischen Frühling noch dem Sieg des Internets.  46830303.jpg

Peter Scholl-Latour wurde 90 Jahre alt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Journalist und Autor Peter Scholl-Latour stirbt im Alter von 90 Jahren in Rhöndorf am Rhein. Das teilt sein Verleger mit. Scholl-Latour war mit Reportagen über ferne Länder bekanntgeworden und schrieb Bestseller wie "Der Tod im Reisfeld".

Der deutschsprachige Journalismus verliert einen seiner prominentesten Vertreter: Der legendäre Journalist und Autor Peter Scholl-Latour ist im Alter von 90 Jahren nach schwerer Krankheit in Rhöndorf am Rhein gestorben, wie die Ullstein-Buchverlage mitteilten. Scholl-Latour war mit Reportagen über ferne Länder bekanntgeworden und schrieb Bestseller wie "Der Tod im Reisfeld".

Peter Scholl-Latour

Geboren 1924 in Bochum. Promotion an der Sorbonne in Paris in den Sciences Politiques, Diplom an der Libanesischen Universität in Beirut in Arabistik und Islamkunde.

Seitdem in vielfältigen Funktionen als Journalist und Publizist tätig, unter anderem als ARD-Korrespondent in Afrika und Indochina, als ARD- und ZDF-Studioleiter in Paris, als Programmdirektor des WDR-Fernsehens, als Chefredakteur und Herausgeber des "Stern" und als Vorstandsmitglied von Gruner + Jahr.

Seine TV-Sendungen erreichen höchste Einschaltquoten, seine Bücher haben ihn zu Deutschlands erfolgreichstem Sachbuchautor gemacht. Zuletzt erschienen bei Propyläen "Die Welt aus den Fugen" (2012) und "Der Fluch der bösen Tat" (2014). (Quelle: Ullstein Buchverlage)

Scholl-Latour galt als Experte für die Themenbereiche Naher Osten und Islam. Er äußerte sich stets kritisch zu den vor allem von den USA und Großbritannien geführten Kriegen in Afghanistan und im Irak. Vor dem umstrittenen Einmarsch der US-Truppen im Irak im Jahr 2003 zählte Scholl-Latour zu den vehementesten Kritikern eines solchen völkerrechtswidrigen Vorgehens. Der weitgereiste frühere Auslandskorrespondent warnte unter anderem vor den unabsehbaren Folgen für das ethnische Gefüge des Vielvölkerstaats und dem drohenden Aufbrechen religiöser Konflikte.

"Das muss man endlich verstehen!"

Zu vom Westen initiierten Wahlen in Afghanistan fand Scholl-Latour etwa im Gespräch mit n-tv.de klare Worte. "Die westliche Demokratie ist für diese Länder nicht tauglich, das muss man endlich mal verstehen!", sagte er vor fünf Jahren, als Präsident Hamid Karsai zur Wiedwahl antrat. Westliche Interventionen lehnte er ab: "Die Afghanen müssen sehen, dass sie selbst ihre eigene Regierungsform finden. Das ist doch nicht unsere Angelegenheit."

Einen Erfolg der US-geführten Eingriffe in Irak und Afghanistan hielt er für unmöglich. Seine Prognosen sollten sich zum Leidwesen der Bevölkerung vor Ort und der Angehörigen der zahlreichen Todesopfer auf allen Seiten schnell bewahrheiten. In Deutschland stand Scholl-Latour allerdings häufig auch in der Kritik, Sachverhalte zuweilen undifferenziert, zu polemisch oder grob vereinfachend darzustellen.

Dennoch gilt Scholl-Latour als einer der berühmteste Kriegsreporter der Republik: In gut sechs Jahrzehnten Arbeit als reisender Reporter erklärte er den Deutschen die Welt - vom Vietnamkrieg über den Iran bis hin zu den Wirren im postkolonialen Afrika.

Auch mit 90 Jahren wollte er die Entwicklungen der Welt noch mit eigenen Augen betrachten. Geplant war zuletzt zum Beispiel eine Reise in den Tschad.

Quelle: n-tv.de, mmo/fma/dpa

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