Panorama

Hundertfacher Missbrauch Pfarrer muss hinter Gitter

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Der Angeklagte spricht im Landgericht in Braunschweig mit seinem Anwalt Andreas Zott.

(Foto: dpa)

Sieben Jahre lang kann ein katholischer Pfarrer unbehelligt ihm anvertraute Jungen sexuell missbrauchen. Der pädophile Geistliche aus Salzgitter fliegt erst auf, als eines der Opfer Anzeige erstattet. Allein an dem Hauptopfer soll sich der 46-Jährige 243-mal vergangen haben. Jetzt muss er für sechs Jahre ins Gefängnis.

Wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen ist ein Pfarrer aus Salzgitter zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht im niedersächsischen Braunschweig befand den geständigen Geistlichen für schuldig, sich über Jahre hinweg an drei Jungen aus ihm bekannten Familien vergangen zu haben, wie ein Gerichtssprecher sagte. Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt.

"Die ihm zur Last gelegten Taten wurden für erwiesen erachtet und wegen der zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch, darunter viele Fälle von schwerem Missbrauch, wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verhängt", sagte der Sprecher.

Die Staatsanwaltschaft hatte den 46-jährigen katholischen Pfarrer wegen 280 einzelnen Missbrauchsfällen angeklagt. Diese ereigneten sich nach ihren Angaben zwischen 2004 und 2011. An den Jungen verging er sich demnach unter anderem, als sie bei ihm an Wochenenden übernachteten und mit ihm Kurzurlaube verbrachten.

Opfer bringt Ermittlungen ins Rollen

Der Mann war im Juli vergangenen Jahres festgenommen worden, nachdem eines seiner Opfer Anzeige erstattet hatte und damit umfangreiche Ermittlungen ins Rollen brachte. Die Polizei richtete damals eigens eine Sonderkommission namens "Peccantia" (lateinisch für Sünde) ein, um die Dimensionen des Falls zu klären.

Die Opfer waren laut Staatsanwaltschaft bei den Taten zwischen neun und 15 Jahren alt. Der Mann, dem ein Gutachter schon vor dem Prozess eine krankhafte pädophile Sexualstörung attestierte, hatte seine Taten von Anfang an generell zugegeben. Im Prozess wiederholte er sein Geständnis. Im Gegenzug stellte das Gericht ihm in Absprache mit Anklage und Verteidigung von vornherein einen Strafrahmen von maximal sechs bis sechseinhalb Jahren Gefängnis in Aussicht. Derartige Kompromisse sind vor deutschen Gerichten üblich, um den Opfern eine Zeugenaussage und damit eine mögliche neuerliche Traumatisierung zu ersparen.

Die Taten ereigneten sich, als der Mann Gemeindepfarrer in Braunschweig und Salzgitter war. Hauptopfer war nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Junge, den er zwischen 2004 und 2006 insgesamt 243-mal missbraucht haben soll. Der Angeklagte hatte laut Anklage schon 2002 während einer Kommunionsvorbereitung einen "freundschaftlichen Kontakt" zu dem Kind und seiner verwitweten Mutter aufgebaut. Später soll er sich dann regelmäßig an dem Jungen vergangen haben.

Bistum Hildesheim begrüßt das Urteil

Das Bistum Hildesheim begrüßte das Urteil und kündigte an, den Verurteilten darüber hinaus kirchenrechtlich zu verfolgen. Der Fall werde nach dem Ende des Strafprozesses nun zur weiteren Beurteilung an die Glaubenskongregation des Vatikans abgegeben, teilte das Bistum mit. Voraussichtlich werde noch in diesem Jahr ein kirchenrechtliches Urteil ergehen. "Der Pfarrer muss damit rechnen, dass er unter Umständen aus dem Priesteramt entlassen wird", sagte ein Sprecher des Bistums. Die Kirche hatte ihn nach seiner Festnahme bereits beurlaubt.

Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle erklärte, er sei "dankbar für den schnellen Prozessverlauf". Außerdem sei er froh, dass das Schuldbekenntnis des Pfarrers den Kindern erspart habe, nochmals als Zeugen befragt zu werden. Auch nach der juristischen Aufarbeitung bleibe "das tiefe Entsetzen über die Taten".

Quelle: ntv.de, AFP