Panorama

Münchner hortete 1500 Werke von Picasso und Co. Zoll hebt milliardenschweren Kunstschatz

3ewd3314.jpg2335144772486160779.jpg

Auch Werke von Pablo Picasso sollen sich in der Münchner Wohnung befunden haben.

(Foto: dpa)

Werke von Picasso, Matisse, Chagall, Nolde und vielen anderen wurden im Nationalsozialismus als "entartete Kunst" ausgestellt. Viele der Gemälde verschwanden danach spurlos. Doch bereits 2011 soll der Zoll einige von ihnen entdeckt haben: Ein Münchner hortete 1500 Werke berühmter Künstler in seiner Wohnung.

Zollfahnder haben in der Wohnung eines 80-jährigen Münchners etwa 1500 bisher verschollene Gemälde von Meistern der klassischen Moderne entdeckt und beschlagnahmt. Das berichtet der "Focus". Unter den Kunstwerken befinden sich demnach Gemälde von Pablo Picasso, Henri Matisse, Marc Chagall, Emil Nolde, Franz Marc, Max Beckmann, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner und Max Liebermann.

Demnach schlugen die Fahnder bereits im Frühjahr 2011 in der Wohnung des Mannes zu. Die Aktion sei unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlaufen und von den Behörden bislang geheim gehalten worden. Die zuständige Staatsanwaltschaft Augsburg wollte den Bericht auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren.

Die beschlagnahmten Gemälde befinden sich dem Bericht zufolge nun in einem Sicherheitstrakt des bayerischen Zolls in Garching bei München. Die Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann versuche nun, die Herkunft und den Wert der Werke zu ermitteln. Das Magazin spricht von rund einer Milliarde Euro. Den Untersuchungen zufolge gehörten mindestens 300 der aufgetauchten Werke zu den verschollenen Exponaten der "entarteten Kunst". Für mindestens 200 Werke lägen offizielle Suchmeldungen vor.

Werke 50 Jahre in einer Wohnung gehortet

Wie das Nachrichtenmagazin schreibt, sollen die Nationalsozialisten die Werke von jüdischen Sammlern geraubt oder als "entartete" Kunst konfisziert haben. In den 30er und 40er Jahren soll der Kunsthändler Hildebrand G. die Werke aufgekauft haben.

Dessen Sohn Cornelius G. habe die Bilder dann über ein halbes Jahrhundert in seiner Schwabinger Wohnung gehortet - in verdunkelten, vermüllten Zimmern mit selbstgeschreinerten Regalen. Im Laufe der Jahre habe er einzelne Bilder verkauft und von dem Erlös gelebt. Nach der Razzia habe er zumindest ein weiteres Gemälde - ein Bild von Max Beckmann - für 864.000 Euro bei einem Auktionshaus versteigern lassen.

Auf den Mann aufmerksam geworden sei der Zoll bei einer zufälligen Bargeldkontrolle im September 2010 während einer Zugreise von der Schweiz nach München, hieß es. Die Fahnder hätten weiterrecherchiert und im Frühjahr 2011 eine Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen erwirkt. Dem Bericht nach ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Als die Fahnder die Wohnung in einer mehrtägigen Aktion leer räumten und die Bilder abtransportierten, habe der Mann keinen Widerstand geleistet.

Eines der beschlagnahmten Matisse-Gemälde soll dem jüdischen Kunstsammler Paul Rosenberg gehört haben, dem Großvater der französischen Journalistin Anne Sinclair. Diese kämpft seit Jahren um die Rückgabe der von den Nazis gestohlen Gemälde. Laut "Focus" hat sie bisher von dem Matisse-Bild nichts gewusst.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.