Panorama

Angeklagter erträgt Details nicht Pistorius übergibt sich vor Gericht

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Oscar Pistorius muss von seinen Angehörigen getröstet werden.

(Foto: REUTERS)

Vor dem Gericht in Pretoria trägt ein Mediziner vor, was die Autopsie der erschossenen Reeva Steenkamp ergeben hat. Für den angeklagten Sportler Oscar Pistorius ist das zu viel, er reagiert empfindlich auf die Schilderung.

Im Mordprozess gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius hat der Angeklagte heftig auf die Aussage des Pathologen reagiert. Pistorius übergab sich im Gerichtssaal in Pretoria, als Professor Gert Saayman über den Zustand der erschossenen Reeva Steenkamp berichtete.

Während der Experte Steenkamps Verletzungen in allen Einzelheiten beschrieb, wurde Pistorius zunächst immer unruhiger. Er verbarg seinen Kopf in den Armen, wischte sich mit einem Tuch über die Augen, fing an zu weinen. Schließlich verlor Pistorius völlig die Fassung: Er würgte, übergab sich mehrmals in eine Plastikschüssel, schluchzte herzzerreißend und schnappte so heftig nach Luft, dass er Schluckauf bekam.

Nachdem Richterin Thokozile Masipa die Verhandlung auf Dienstag vertagte, blieb Pistorius noch minutenlang auf seiner Bank sitzen, bevor er am Arm seiner Schwester Aimée den Saal verließ.

Letzte Mahlzeit gegen 3.00 Uhr

Nach den Ausführungen des Pathologen wurde Steenkamp insgesamt viermal von drei Kugeln getroffen: Eine traf sie rechts oben am Kopf, die restlichen trafen sie am rechten Ellbogen, der rechten Hüfte sowie am rechten Handteller. Kugel-, Holz- und Knochensplitter sorgten demnach für weitere Verletzungen. Laut Saayman setzte Pistorius eine tödliche Munition ein, die besonders großen Gewebeschaden anrichtet. Jede der Verletzungen an Kopf, Ellbogen und Hüfte war demnach tödlich.

Doch bedeute dies nicht, dass das Opfer zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach tot sei, sagte der Gerichtsmediziner: "Der Tod ist ein Prozess, er kann mehrere Minuten dauern". Wie Saayman zudem enthüllte, hatte Pistorius' Freundin vermutlich zwei Stunden vor den tödlichen Schüssen kurz nach 03.00 Uhr morgens (Ortszeit) Gemüse und Käse gegessen. Davon hatte Pistorius in seinen Ausführungen während der Voranhörungen vor einem Jahr nichts berichtet: Nach seinen Angaben waren er und seine Freundin gegen 22. 00 Uhr ins Bett gegangen.

Autopsie-Details nicht öffentlich

Richterin Masipa hatte zuvor die Live-Übertragung der Aussagen des Pathologen verboten. "Die Würde des Opfers" erfordere das Ausschalten von Kameras und Mikrofonen, sagte der Pathologe. "Hier geht es nicht um die Pressefreiheit, sondern um die Rechte und die Würde der Toten."Auch die Verteidigung des Angeklagten hat sich strikt gegen eine Übertragung der Aussagen gewandt, die Details über die tödlichen Verletzungen und den körperlichen Zustand des Opfers enthüllen sollen.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Pistorius des Mordes. Der 27-Jährige sagt, er habe seine Freundin am 14. Februar 2013 irrtümlich durch eine geschlossene Tür erschossen, weil er einen Eindringling im Haus wähnte und in Panik gewesen sei.

Das Verfahren wird von mehreren Fernseh- und Radiosendern direkt übertragen. Etwa 300 Journalisten aus aller Welt verfolgen den spektakulären Prozess.

Quelle: ntv.de, sba/jog/dpa

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