Panorama

"Wer da hinfahren darf, ist wer" Plattler messen sich Oberbayern

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Unter den strengen Blicken der Kampfrichter misst sich in Weilheim die Crème de al Crème der Schuhplattler.

(Foto: dpa)

In Weilheim ist es wohl das Highlight des Jahres: In der örtlichen Festhalle kämpft die bayrische Schuhplattler-Elite um Anerkennung und den Nymphenburger Löwen. Da muss alles stimmen: Schrittfolge, Drehungen und Unterwäsche.

Die Festhalle im oberbayerischen Weilheim ist ein Meer aus Tracht und Tradition. Die besten Schuhplattler kämpfen um den Bayerischen Löwen, den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten. Mit 450 Teilnehmern zwischen 6 und 70 Jahren ist es der weltweit größte Plattl-Wettbewerb. "Wer da herfahren darf, der ist wer", sagte Florian Vief, Sachgebietsleiter Volkstanz und Schuhplatteln im Bayerischen Trachtenverband.

Der kleine Georg stampft mit seinen sieben Jahren schon ganz schwer auf den Boden, ernst sieht er seine Mama an, die sich dreht und ihm aufmunternd zulächelt. Noch ein stolzer Knicks, und dann rauscht schon der Beifall auf. "Wie war's?" - "Ganz gut", sagt er. Corina ist 15 und kommt aus Diessen am Ammersee, schon der Opa war im Trachtenverein. "Ich bin mit der Kultur aufgewachsen und kann mir gar nichts anderes vorstellen, Zickereien gibt es da überhaupt nicht, es macht einfach Spaß." Allerdings: Man muss sich konzentrieren, im Takt bleiben, beim Drehen aufpassen.

Strenge Preisrichter

90 Jahre Trachtenverein Weilheim, 100 Jahre Trachtenvereinigung Huosigau und als Höhepunkt das Wertungsplatteln auf drei Tanzböden im
Festzelt und einem kleinen Nebenzelt - Stimmung und Spannung erreichen schon am frühen Vormittag Rekordwerte. Die Entscheidung fällt in einem Kreis mit einem Durchmesser von vier Metern und in etwa drei Minuten.

Die Musik spielt, die Männer sind laut und kräftig, stampfen mit den Füßen und klatschen sich auf die Haxn, die umworbenen Frauen drehen sich anmutig, werden eingefangen und wieder freigegeben, und beide bewegen sich trotz der unterschiedlichen Rollen als harmonisches Tanzpaar. Die Preisrichter sind streng. Wer "mehrmals nach der Tänzerin greift" oder zu große Schritte macht, bekommt Abschläge.

Aber bitte "sittlich-moralische Unterwäsche"

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Wer hier unsittliche Unterwäsche trägt, hat keine Chance.

(Foto: dpa)

Auf alles wird geachtet, dazu gehört eine einwandfreie Frisur - Haare dürfen nicht am Hemdkragen aufstehen - ebenso wie eine, so Huosigauvorstand Sepp Kaindl, "sittlich-moralische Unterwäsche". Was das heißt, beschreibt Florian Vief so: "Unten drin Strumpfhose, Unterrock und Tanzlhosn."

Nach den Einzelwettbewerben steht die Königsdisziplin auf dem Programm, 31 Gruppen aus den einzelnen Gauen mit mindestens vier Paaren treten an. Die Sieger bei den Jugendlichen und den Erwachsenen erhalten den teuren Nymphenburger Löwen, einen Wanderpokal, der schöne Lohn für Einsatz und Training.

Sebastian vom Trachtenverein D`Würmtaler in Obermenzing tritt in der Altersgruppe bis neun Jahre an. Er hat eine fesche Tracht, Haferlschuhe, Größe 31, und jetzt lange trainiert. Mit dem Fußball hat er aufgehört, das haben seine Schulkameraden gar nicht verstanden. Dann hat er vor ihnen einmal geplattelt - "jetzt verstehen sie's besser", meint seine Mutter.

Quelle: ntv.de, Klaus Greiner, dpa

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