Panorama
Am OEZ liegen noch Einmalhandschuhe vom Einsatz der Sanitäter.
Am OEZ liegen noch Einmalhandschuhe vom Einsatz der Sanitäter.(Foto: dpa)
Sonntag, 24. Juli 2016

Münchner Amoklauf: Polizei aktualisiert Verletztenzahlen

In Krankenhäusern der bayerischen Landeshauptstadt liegen noch immer Menschen, die nach dem Amoklauf ärztlich behandelt werden müssen. Inzwischen wird ihre Zahl mit 35 angegeben.

Nach dem Amoklauf von München hat sich die Zahl der Verletzten weiter erhöht. Momentan sei von 35 Verletzten auszugehen, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in München. Drei von ihnen schweben noch immer in Lebensgefahr, zehn gelten weiter als Schwerverletzte. Unter den 35 Menschen seien auch einige, die am Freitagabend bei den panikartigen Szenen in Teilen der Münchner Innenstadt verletzt worden waren.

Zuvor hatte der 18-jährige Schüler David Ali S. bei einem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum insgesamt neun Menschen erschossen und sich danach selbst getötet. Drei der Opfer waren Kosovo-Albaner, drei weitere Türken und eines Grieche. Es handelte sich größtenteils um junge Menschen. Acht der Getöteten waren nach Angaben der Polizei zwischen 14 und 20 Jahre alt. Das neunte Opfer war 45 Jahre alt. Es gab demnach drei weibliche Opfer. Ob der Täter gezielt auf ausländisch aussehende Opfer schoss, muss den Ermittlern zufolge noch geklärt werden.

Suizid direkt vor Polizisten

Befragungen der Einsatzbeamten ergaben, dass der Täter sich unmittelbar vor den Augen von Streifenpolizisten tötete. "Als Reaktion auf die Ansprache der Beamten zog er unvermittelt seine Schusswaffe, hielt sie sich an den Kopf und erschoss sich", hieß es von der Polizei.

Der Deutsch-Iraner nutzte für seine Tat eine 9mm Glock-Pistole. Diese besaß der 18-Jährige offenbar illegal besessen, da die Seriennummer der Waffe ausgefeilt war. Wo die Waffe herkommt, ist den bisherigen Erkenntnissen zufolge noch offen. Innenminister Thomas de Maizière schloss eine Verschärfung des Waffenrechts nicht aus. Zunächst müsse ermittelt werden, wie sich der 18-jährige Todesschütze die Waffe beschafft habe, sagte der Minister der "Bild am Sonntag". "Dann müssen wir sehr sorgfältig prüfen, ob und gegebenenfalls wo es noch gesetzlichen Handlungsbedarf gibt", fügte de Maizière hinzu. Die deutschen Waffengesetze seien allerdings jetzt schon "sehr streng".

Der Täter lebte gemeinsam mit seinem Bruder und den Eltern in einer Wohnung in München. Bei der Durchsuchung der Wohnung wurden auch Materialien aus dem Zimmer des Täters sichergestellt. Der Polizei zufolge hatte sich der Schüler intensiv mit Amokläufen beschäftigt. S. sammelte demnach Artikel zum Thema, und es wurde ein Buch, das die Psyche von Amokläufern analysiert, gefunden. Außerdem soll der Schüler den Amoklauf von Winnenden verherrlicht haben, bei dem 2009 ein 17-Jähriger an seiner früheren Realschule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst tötete. Die Polizei schätzt die Tat inzwischen als Amoklauf ohne politischen Hintergrund ein.

Quelle: n-tv.de