Panorama

"Können Tatbeitrag nicht nachweisen" Polizei entlässt Begleiter von U-Bahn-Treter

Nach der Festnahme eines Begleiters vom Berliner U-Bahn-Treter muss die Polizei den Verdächtigen wieder laufen lassen: Eine Mittäterschaft kann ihm wohl nicht nachgewiesen werden. Ob er Hinweise auf den Haupttäter gegeben hat, bleibt unklar.

Die Polizei in Berlin sucht weiter nach dem Mann, der eine 26-jährige Frau in einem U-Bahnhof in Berlin-Neukölln durch einen Fußtritt die Treppe hinuntergestoßen hat. Der am Montag festgenommene Begleiter des Täters wird nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft voraussichtlich im Laufe des Tages wieder entlassen. Zwar habe er zugegeben, einer der Männer in dem Video zu sein, eine Mittäterschaft werde man ihm aber wohl nicht nachweisen können, sagte Sprecher Michael Steltner im Interview mit n-tv. Der Mann stammt aus Bulgarien und hat in Berlin keinen Wohnsitz. Ob der Festgenommene auch Angaben zur Identität des Haupttäters gemacht hat, wollte Steltner unter Verweis auf die laufende Fahndung nicht sagen. Aber: "Wir gehen davon aus, dass wir auch den Haupttäter bekommen werden."

Die Polizei registrierte nach eigenen Angaben bis Montag zehn Hinweise auf den Vorfall vom 27. Oktober. Zu näheren Einzelheiten aus der Vernehmung des Festgenommenen äußerten sich Polizei und Staatsanwaltschaft bisher nicht. Die heimtückische Attacke in der Hermannstraße war auf der Videoaufzeichnung einer Überwachungskamera zu sehen gewesen, die am vergangenen Donnerstag von der Polizei veröffentlicht wurde. Die Frau brach sich bei dem Sturz einen Arm. Der Angriff hatte eine Debatte über Gewalt im öffentlichen Raum ausgelöst. An den Aufnahmen schockiert besonders, dass die Attacke aus dem Nichts zu kommen scheint - und dass sowohl der Täter als auch seine drei Begleiter nach dem Tritt davongehen.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben keine Belohnung für Tipps ausgesetzt, die zum Täter führen. Mehrere Zeitungen berichteten aber bereits über Geschäftsleute, die Geld als Anreiz zur Verfügung stellen wollen. Dies wolle man nicht kommentieren, hieß es bei der Polizei. Die Staatsanwaltschaft begrüßte jedoch den Vorstoß einzelner Privatleute. "Wenn wir den Täter noch suchen, ist es natürlich eine Hilfe, wenn sich Personen melden und Hinweise geben", sagte Steltner dem RBB. "Da ist solch eine Belohnung oftmals der letzte Anreiz, um Personen, die bislang nicht zur Polizei gegangen sind, zu motivieren."

Prominente unterstützen Fahndung

Mittlerweile unterstützen auch Prominente die Suche nach dem Haupttäter. "Berlinerinnen, Berliner! Erkennt jemand diese feigen Idioten?", postete der Schauspieler Jan Josef Liefers, bekannt als "Tatort"-Rechtsmediziner Professor Boerne, auf Facebook. Auch seine Frau, Sängerin und Schauspielerin Anna Loos, rief zur Mithilfe auf.

Michael Mike Kuhr - ein bekannter Berliner Bodyguard - meldete sich ebenfalls auf Facebook zu Wort. Er setzte 2000 Euro Belohnung für Hinweise zum Namen und der Adresse des Täters aus. Zugleich betonte er, dass er keine Selbstjustiz üben wolle. "Bei der Polizei oder den Behörden dauern die Anträge oder Beschlüsse (…) mitunter sehr lange! Das ist halt deutscher Fuck-Bürokratismus, wie er im Buche steht" schrieb Kuhr. "Da kann ich als 'Privatperson' unabhängiger Hilfe leisten, und bei Geld fangen viele an zu quatschen."

Quelle: ntv.de, jug/dpa