Panorama

Walpurgisnacht im Regen Polizei hofft auf ruhige Mai-Demo

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Weder mystisch noch romantisch: Für die Berliner Polizei steht rund um die Maifeiertage viel Arbeit an.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Krawalltourismus ebbt ab, die Behörden blicken verhalten optimistisch auf die Großveranstaltungen am Tag der Arbeit. In Berlin verläuft die Walpurgisnacht weitgehend friedlich. Himmlische Helfer sorgen dort für ein zügiges Ende.

Die traditionelle Walpurgisnacht-Demonstration linker Gruppen in Berlin ist vergleichsweise friedlich zu Ende gegangen. Laut Polizei herrschte am Vorabend des 1. Mai zwar eine aggressive Grundstimmung, größere Zwischenfälle blieben aber aus.

Vier Menschen wurden nach vorläufigen Angaben von Polizeisprecher Stefan Redlich festgenommen, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Vermummungsverbot. Ein Beamter wurde leicht verletzt. Laut Polizei blieb es bis zum frühen Freitagmorgen ruhig.

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"Wir haben keine überregionale Mobilisierung wahrgenommen": Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit 1987 hatte es in Berlin am 1. Mai und dem Vorabend immer wieder Krawalle von Linksautonomen und unpolitischen Randalierern gegeben. In den vergangenen Jahren ging es aber weniger gewalttätig zu als während der Höhepunkte der sogenannten Mai-Krawalle.

Nach offiziellen Angaben beteiligten sich am Donnerstagabend rund 2700 Menschen an dem Marsch vom Stadtteil Wedding zum Prenzlauer Berg - ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. Die Veranstalter sprachen von 5000 bis 6000 Menschen.

Rituale der Gewalt

Ganz ohne rabiate Aktionen blieb die Veranstaltung allerdings auch in diesem Jahr nicht: Teilnehmer warfen Farbbeutel, zündeten Feuerwerkskörper und zerstörten Scheiben einer Bushaltestelle. Vereinzelt kam es zu Schubsereien und Rangeleien zwischen Mitgliedern der linksautonomen Szene und Polizisten.

Nach Ende der Demonstration löste sich die Menge allerdings recht schnell auf - auch wegen des regnerischen Wetters. "Bislang können wir zufrieden sein", teilte Innensenator Frank Henkel mit. Polizeipräsident Klaus Kandt blickte verhalten optimistisch auf die sogenannte "Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration" am Freitagabend in Kreuzberg und Neukölln. "Ich erwarte eine zahlenmäßig starke Veranstaltung, die aber in der Masse friedlich bleiben wird", sagte Kandt.

Krawall-Fahrt nach Hamburg?

Mit Randalierern von außerhalb sei kaum zu rechnen. "Wir haben keine überregionale Mobilisierung wahrgenommen." Die Polizei vermute eher, dass einzelne gewaltbereite Demonstranten nach Hamburg fahren und nicht in Berlin bleiben. "Von daher ist die Prognose ganz günstig." Stellungnahmen aus Hamburg lagen zunächst vor. Zur abendlichen Demonstration am Mai-Feiertag werden in Berlin 20.000 bis 30.000 Teilnehmer erwartet. Insgesamt wird die Polizei rund um den 1. Mai fast 7000 Beamte im Einsatz haben.

Während sich die Berliner Behörden über eine nachlassend Anziehungskraft der Walpurgisnacht freuen, hoffen Tourismus-Manager andernorts auf die magische Ausstrahlung der traditionsreichen Frühlingsfeier. Im Harz zum Beispiel stimmten sich die Menschen bei zahlreichen Walpurgisfeiern auf den Beginn der warmen Jahreshälfte ein. Mit der "mystischsten Nacht der Nächte im Harz" hatte die Stadt Thale für Veranstaltungen in der Nacht auf den 1. Mai geworben.

Uralte, mystische Feste

Nach Angaben des Harzer Tourismusverbandes wollten sich etwa 20 Orte in der Region an dem Spektakel beteiligen. Laut Polizei blieb es überall friedlich. Auch im Harz machte das Wetter den Walpurgisfeiern einen Strich durch die Rechnung. Die Masse der Besucher wollte sich vom Regen nicht lange durchnässen lassen. "Die Besucherzahlen liegen weit unter denen der Vorjahre", sagte ein Sprecher der Polizei in Halberstadt am frühen Freitagmorgen.

Mit den Walpurgisfeiern wird traditionell der Winter ausgetrieben und der Frühling begrüßt. Zahlreiche Menschen verkleiden sich als Hexen oder Teufel. Die Tradition geht auf ein heidnisches Frühlingfest zurück. Später ließ die Kirche am 30. April den Geburtstag der heiligen Walburga feiern, der Schutzpatronin gegen Aberglauben und Geister. Hier hat der Name Walpurgis-Nacht seine historischen Wurzeln.

Im vergangenen Jahr hatte die Polizei allein auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt rund 26.000 Teilnehmer bei mehreren Feiern gezählt. Das größte Fest gab es mit 8000 Gästen auf dem Hexentanzplatz in Thale. Auf dem Programm standen dort dieses Jahr Musik, ein Walpurgismarkt und eine sogenannte "Teufelsshow" um Mitternacht. Auf Schloss Wernigerode war ein mehrtägiges Ritterfest geplant. Der Goslarer Marktplatz sollte sich im wahrsten Sinne in einen "Hexenkessel" verwandeln.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa