Panorama

Ein neuer Trayvon Martin? Polizeikugel tötet schwarzen Teenager

Seit die tödlichen Schüsse auf den schwarzen Teenager Trayvon Martin die Rassismusdebatte in den Vereinigten Staaten neu entfachten, steht Amerika vor der unangenehmen Frage: Wie lebendig sind die alten Vorurteile? Der Tod eines schwarzen Jugendlichen im New Yorker Stadtteil Bronx könnte die Diskussion nun weiter anheizen. An der Opferrolle des Getöteten kommen jedoch Zweifel auf.

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Der Tod von Trayvon Martin hat heftige Proteste gegen den Rassismus in der US-Gesellschaft ausgelöst.

(Foto: imago stock&people)

Ein New Yorker Polizist hat einen bewaffneten schwarzen Teenager auf der Straße im Stadtteil Bronx erschossen. Der 14-Jährige habe selbst zuvor einen Unbekannten verfolgt und auf ihn geschossen, berichtete die Polizei laut "New York Times" und weiteren Medien. Nach der Polizeiwarnung, die Waffe fallen zu lassen, habe der Junge erneut geschossen. Daraufhin habe einer der Polizisten einen Schuss abgegeben, der den Teenager im Gesicht traf und tötete.

Polizeikommissar Raymond Kelly stellte sich hinter seine Kollegen. "Man schießt, um jemanden zu stoppen. Man kann nicht schießen, um zu verwunden. Das passiert nur in Western-Filmen", zitierte ihn die "New York Post". Die Umstände rechtfertigten den Schuss. Unabhängig davon sprach er den Eltern sein Beileid aus. Noch nie habe die New Yorker Polizei einen so jungen Menschen getötet, sagte Kelly.

Opfer soll Gang-Mitglied gewesen sein

Das Opfer soll nach Angaben der Behörden Mitglied einer Jugend-Gang gewesen sein. Schon zuvor war er mit einer Waffe erwischt worden - und nach Zeitungsinformationen zuletzt als Verdächtiger ins Visier der Ermittler geraten, nachdem ein 15 Jahre altes Mitglied einer rivalisierenden Gang angeschossen worden war.

Die Tante des Teenagers erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei. "Ein Kind, 14 Jahre alt. Tot. In den Kopf geschossen. Von der Polizei", sagte Quwana Barcene der "New York Times". Der Tod ihres Neffen erinnere sie an den Fall des Jugendlichen Trayvon Martin, der in Florida von einem Nachbarschaftswärter erschossen worden war. Kritiker vermuten hinter der Tat ein rassistisches Motiv. Der Schütze war aber vor Gericht freigesprochen worden, weil er aus Notwehr gehandelt haben soll. Einen grundlegenden Unterschied zwischen beiden Fällen gibt es jedoch: Im Gegensatz zum Opfer im aktuellen Fall war Trayvon Martin unbewaffnet.

Quelle: n-tv.de, dpa/ AFP/mkr

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