Panorama

Pilzesammler angegriffen "Problembärin" hält Norditalien in Atem

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"Dass eine Bärenmutter sich schützend vor ihre Jungen stellt, ist wohl eines der wenigen Erkenntnisse der Verhaltensforschung, die jedem bekannt sein dürften", meint Ex-Ministerin Brambilla. (Braunbärin mit Jungtieren, Archivbild)

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Angriff einer Bärenmutter auf einen Mann in der italienischen Region Trentino-Südtirol spaltet die Bevölkerung. Während Politiker und Forstamt fordern, die "Problembärin" einzusperren, sehen andere keinen Anlass zur Sorge.

In der norditalienischen Region Trentino-Südtirol wird intensiv nach einer Bärenmutter gesucht, die einen Mann beim Pilzesammeln verletzt hat. Der Vorfall, bei dem der Pilzesammler durch Prankenhiebe Verletzungen an Rücken und Knie erlitt, ereignete sich bereits vergangenen Freitag nahe des Ortes Pinzolo. Seither versuchen Mitarbeiter der lokalen Forstverwaltung, die 18 Jahre alte Bärin mit dem Namen "Daniza" im Trentino und angrenzenden Provinzen, wie beispielsweise dem mehrheitlich deutschsprachigen Südtirol, einzufangen, wie das Nachrichtenportal "stol.it" schreibt.

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Der Angriff ereignete sich unweit der Provinzhauptstädte Trient und Bozen.

Daniza, die den Mann möglicherweise aus Furcht um ihre Jungen angegriffen hat, soll eingefangen und eingesperrt werden. Die beiden Jungtiere dürften hingegen alleine weiter in Freiheit bleiben. Wie andere "Problembären" soll auch Daniza gefangen und im Tierzentrum Casteller untergebracht werden, um keine Gefahr für die Menschen mehr darzustellen.

Auch Extrembergsteiger Reinhold Messner hielt diesen Weg für die einzige Lösung. "Bären brauchen viel Platz, den haben wir nicht mehr", sagte er italienischen Medien. In den sozialen Netzwerken dagegen ist man empört. Hier hat "Daniza" bereits viele Unterstützer gefunden. Besonders sorgt man sich um die sieben Monate alten Jungtiere. Nach Aussagen der Provinz Trentino könnten Bärenjunge alleine überleben, sobald sie ein halbes Jahr alt sind. Meist bleiben sie eineinhalb Jahre an der Seite der Mutter.

Erlegen wäre "Verbrechen"

Die ehemalige italienische Tourismusministerin Michela Vittoria Brambilla, die auch Vorsitzende des italienischen Verbands für Tier- und Naturschutz ist, nannte ein Einsperren des Muttertiers "absurd". Ein Erlegen des Bären wäre für Brambilla gar "ein Verbrechen", wie die Zeitung "Corriere Alpi" schreibt. "Dass eine Bärenmutter sich schützend vor ihre Jungen stellt, ist wohl eines der wenigen Erkenntnisse der Verhaltensforschung, die jedem bekannt sein dürften", meint die Ex-Ministerin. Auch sie sorgt sich vor allem um das Überleben der beiden Jungtiere. Niemand könne sich wünschen, dass Bären in der Region "ein zweites Mal ausgerottet" würden.

Die Bären waren im Trentino im Jahr 1999 im Rahmen des Projektes "Life Ursus" wieder angesiedelt worden, nachdem sie als nahezu als ausgerottet gegolten hatten. Bei dem von der Europäischen Union mitfinanzierten Projekt wurden seinerzeit im Naturpark Adamello-Brenta drei männliche und sieben weibliche Braunbären ausgesetzt. Ziel war es, binnen 40 Jahren eine sich selbst erhaltende Population von 40 bis 60 Tieren zu erreichen.

Quelle: ntv.de, bwe/dpa