Panorama

Dunkelziffer bei Infektionen RKI nimmt die Krankheitslast in den Fokus

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Schon jetzt sparen sich viele Infizierte den PCR-Test.

(Foto: imago images/Jürgen Held)

Die Labore arbeiten vielerorts am Limit. Auch wenn die neue Testpriorisierung noch nicht in Kraft ist, bemühen sich viele Infizierte gar nicht mehr um eine Absicherung ihres Schnelltestergebnisses per PCR. Angesichts der mutmaßlich hohen Dunkelziffer nimmt das RKI nicht mehr nur die Neuinfektionen in den Blick.

Angesichts der in die Höhe schnellenden Zahlen von Omikron-Neuinfektionen sieht das Robert Koch-Institut (RKI) nicht die Messung jeder Infektion, sondern immer mehr die Krankheitslast im Fokus. Für die aktuelle Lagebewertung stehe "nicht die Erfassung aller Infektionen durch SARS-CoV-2, sondern die Entwicklung der Anzahl und Schwere der Erkrankungen im Vordergrund", wie aus dem RKI-Wochenbericht hervorgeht. Auch wenn nicht mehr jeder Einzelfall im Meldesystem erfasst werde, ermöglichten ergänzend zu Rate gezogene Schätzwerte "eine zuverlässige Einschätzung der Gesamtentwicklung der epidemiologischen Situation" in Deutschland, hieß es.

Konkret weisen die Experten darum seit kurzem im Wochenbericht Schätzungen zu Infizierten mit Covid-19-Krankheitssymptomen verschiedener Schwere aus. Spezifisch liegen damit auch Schätzwerte zu Fällen unterhalb der Schwelle von Krankenhausaufnahmen vor, etwa die Häufigkeit von Arztbesuchen: In der Woche bis 23. Januar waren dies demnach 280 pro 100.000 Einwohner, in der Vorwoche waren es laut RKI noch 178 gewesen.

Für die dritte Woche des Jahres wurde zudem geschätzt, "dass in etwa 1,3 bis 2,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre und 0,6 bis 1,3 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren an Covid-19 mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung erkrankte". Diese Angaben speisen sich aus verschiedenen Quellen, etwa aus Angaben aus der Bevölkerung im Portal GrippeWeb.

Hintergrund für die derzeit unvollständig werdende Erfassung von Infizierten ist unter anderem, dass die Testkapazitäten an ihre Grenzen kommen. Auch sind die Gesundheitsämter vielerorts so überlastet, dass sie mit der Erfassung nicht mehr hinterher kommen. Am Donnerstag meldeten sie erstmals mehr als 200.000 neue Corona-Fälle an einem Tag, die Sieben-Tage-Inzidenz durchbrach die Schwelle von 1000.

Jeder dritte Test ist positiv

In der vergangenen Woche wurden laut dem Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM), der sich auf Daten von rund 180 Laboren beruft, rund 2,4 Millionen PCR-Tests ausgewertet. Jeder dritte Befund sei positiv gewesen. Die Auslastung der Labore lag demnach im bundesweiten Durchschnitt bei 95 Prozent.

Der Anteil der in Deutschland längst dominierenden Omikron-Variante hat sich laut RKI-Bericht zuletzt noch weiter gesteigert. In den Meldedaten aus den Bundesländern betrug er in der vergangenen Woche 96 Prozent. Angesichts dieser sehr starken Verbreitung sei der Zusatznutzen von variantenspezifischen PCR-Tests "eingeschränkt", hieß es. Wegen der begrenzten Testkapazitäten sowie weiter stark ansteigender Fallzahlen sei es sinnvoll, PCR-Tests zu Diagnose-Zwecken zu bevorzugen.

Wegen der rasanten Ausbreitung von Omikron rechnen viele Experten mit zahlreichen neuen Patientinnen und Patienten in den Kliniken. Der Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, beobachtet auf Intensivstationen derzeit eher eine Seitwärtsbewegung. Stattdessen fürchten Fachleute eine zunehmende Belastung der Normalstationen – auch weil Infizierte, die aus anderen Gründen ins Krankenhaus kommen, mit größerem Aufwand untergebracht und behandelt werden müssen.

Die Experten vom RKI weisen im Wochenbericht einmal mehr darauf hin, dass die Covid-19-Lage derzeit äußerst angespannt sei und bekräftigen ihre Impfappelle. "Durch den sehr schnellen Anstieg der Erkrankungen besteht die Gefahr einer Überlastung des Gesundheitssystems und gegebenenfalls weiterer Versorgungsbereiche", warnen sie. Die Einhaltung der bekannten Schutz- und Hygienemaßnahmen sowie die konsequente Kontaktreduzierung blieben entscheidend.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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