Panorama

Auch zwei Jahre nach Fukushima-Gau Radioaktives Wasser sickert aus Akw

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Arbeiter des Akw-Betreibers Tepco versuchen auch mehr als zwei Jahre nach dem Unglück Schwachstellen in den Wassertanks von Fukushima zu stopfen.

REUTERS

Der mangelhafte Zustand der provisorischen Speicheranlagen in Fukushima führt nach wie vor zum Austritt verstrahlten Wassers. Dadurch gerät auch das krebserregende Isotop Strontium ins Grundwasser. Erst vor kurzem kommen die UN noch zu dem Schluss, dass die Atomkatastrophe für die Japaner keine Gesundheitsgefährdung darstelle.

Im Grundwasser nahe des beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima ist auch mehr als zwei Jahre nach der Tsunami-Katastrophe der radioaktive Stoff Strontium in erhöhten Mengen gefunden worden. Dies teilte der Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power (Tepco) mit. Im Grundwasser beim Turbinengebäude von Reaktor 2 seien Spuren des Isotops Strontium 90 gefunden worden, welches als Nebenprodukt bei nuklearen Spaltungsvorgängen auftritt. Die gefundene Menge entsprach dem hundertfachen dessen, was bei einer vorangegangenen Untersuchung im Dezember 2012 gemessen wurde, wie Toshihiko Fukuda, Manager bei Tepco, mitteilte.

An unterirdischen Behältern mit radioaktiv verseuchtem Wasser sind in den letzten Wochen wiederholt Lecks festgestellt worden, die Tepco-Mitarbeiter mit saugfähigem Material zu stopfen versuchten. Zahlreiche der  provisorischen technischen Hilfsmittel in der Anlage, mit denen die  Sicherheit garantiert werden soll, gelten als störanfällig.

Strontium 90, das in sehr kleinen Mengen auch natürlich im menschlichen Körper vorkommt, gibt energiereiche Strahlung ab. Wenn der auch als "Knochenkiller" bezeichnete Stoff in den menschlichen Körper gelangt, greift er vor allem Zellen im Skelett an. Knochentumore und Leukämie können die Folge sein. Das Isotop wird an Staubpartikel gebunden und über die Luft oder die Nahrung aufgenommen. Die Halbwertszeit von Strontium liegt im menschlichen Körper bei 18 Jahren. Es kann mit einem normalen Geigerzähler im Körper nicht aufgespürt werden.

UN sehen keine Gesundheitsbelastung

Ein Ausschuss der UN war erst Ende Mai in einer Studie zu dem Schluss gekommen, dass die Atomkatastrophe zu keinen nennenswerten gesundheitlichen Schäden in der japanischen Bevölkerung geführt habe. Dies sei vor allem der schnellen und umfassenden Evakuierung der Bevölkerung sowie der Arbeit der Katastrophenschützer rund um das Kraftwerk zu verdanken, wie Ausschussmitglied Wolfgang Weiss sagte. Auch bei den rund 25.000 Helfern und Tepco-Mitarbeitern, die sich unmittelbar nach dem Tsunami in Reaktornähe aufhielten, konnten laut Studie bisher keinerlei Folgeschäden festgestellt werden. Die Menge an ausgetretener Strahlung sei insgesamt deutlich geringer als jene bei der Katastrophe von Tschernobyl.

Der noch vorläufige Report des Ausschusses zur Untersuchung der Auswirkung der atomaren Strahlung  (UNSCEAR) weicht damit in seiner Schlussfolgerung von einem Report der Weltgesundheitsorganisation vom Februar ab. In diesem wird Menschen, die unweit des Reaktors wohnen, durchaus ein erhöhtes Krebsrisiko attestiert. Der Großteil der von Wissenschaftlern aus 18 Staaten bearbeiteten Daten stammt aus japanischen Quellen, doch auch die USA und Behörden der UN steuerten Material bei. Eine abschließende Version des Reports soll Ende dieses Jahres vorgestellt werden.

Das Kraftwerk Fukushima wurde am 11. März 2011 durch ein schweres Erdbeben und einen darauf folgenden Tsunami sehr stark beschädigt. In drei Reaktoren fand eine Kernschmelze statt. Es war der schwerste Atomunfall seit der Explosion eines Reaktors in Tschernobyl 1986. Knapp 60.000 Menschen leben heute noch immer in Notunterkünften, da sie nicht in ihre ehemaligen Häuser in der Nähe des Kraftwerks zurückkehren können. Manche Gebiete sollen noch für über 20 Jahre nicht öffentlich zugänglich sein.

Quelle: n-tv.de, bwe/Reuters/AFP

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