Panorama

Verdächtige Bohrungen in Polen Raubgräber suchen das Nazigold

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So oder ähnlich könnte die unterirdische Anlage aussehen: Dieser verbunkerte Streckenabschnitt ist Teil eines ähnlichen Wehrmachtsprojekts namens "Anlage Süd" im Südosten Polens.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ruht der Panzerzug voller Goldbarren am Westrand des Eulengebirges? Im Umfeld einer riesigen Geheimbaustelle aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde mysteriöse Löcher im Boden.

Das Rätselraten um den Fund eines deutschen Panzerzuges mit mutmaßlichem Nazigold an Bord hält an. Neuesten Spekulationen zufolge wird der Zug, der aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs stammen soll, unter einer ehemaligen Bahnstation im niederschlesischen Walim vermutet.

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Rückzug nach Niederschlesien? Bei Walim in Niederschlesien suchen Unbekannte mit Bohrgeräten nach Hinterlassenschaften aus der Nazizeit.

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Die Gerüchte zum Fundort scheinen bereits zahlreiche Schatzjäger auf den Plan zu rufen. Auf dem Gelände der Gemeinde Walim im Westen des niederschlesischen Eulengebirges (Polnisch: Góry Sowie) soll es bereits zu heimlichen Grabungen gekommen sein, berichtete der Rundfunksender Radio Wroclaw. Im Mai sollen Unbekannte dort sechs Löcher gebohrt haben. Im Internet veröffentlichte der Sender Aufnahmen der verdächtigen Bohrungen sowie die Kopie einer alten deutschen Karte, auf der der Verlauf der Bahnlinien zu sehen ist.

Vergessene Beton-Stollen

Ganz abwegig sind die Spekulationen um einen im Untergrund versteckten Panzerzug mit Goldreserven des Nazi-Regimes an Bord nicht. In der Region sollte in den letzten Kriegstagen eine neue unterirdische Machtzentrale für die Spitze des "Dritten Reichs" entstehen. Der Bau des geplanten "Führerhauptquartiers" lief unter der Tarnbezeichnung "Projekt Riese".

Teile der Anlage sind bekannt und im Rahmen von Führungen zugänglich. Da die Arbeiten an dem riesigen Bunkernetzwerk jedoch unter großer Geheimhaltung stattfanden und zudem ein Großteil der Pläne und Unterlagen in den Kriegswirren verloren ging, halten es Experten durchaus für möglich, dass sich auch mehr als sieben Jahrzehnte nach Kriegsende noch immer unentdeckte Hohlräume im Boden befinden.

Hinweise von Zeitzeugen

Einzelne Stollen könnten durchaus groß genug sein, um einen jener Panzerzüge aufzunehmen, mit denen Nazi-Bonzen Teile ihres in ganz Europa zusammengeraubten Vermögens vor dem Vormarsch der Alliierten in Sicherheit bringen wollten. Dass es Panzerzüge gab, ist eine gut belegte historische Tatsache. Ob sie 1945 nach Schlesien rollten, ist dagegen nicht viel mehr als Spekulation.

Niemand habe um Grabungserlaubnis gebeten, sagte der Bürgermeister von Walim, Adam Hausman, dem Sender mit Blick auf die mysteriösen Bohrlöcher. Walim liegt rund 15 Kilometer südöstlich von Walbrzych, jenem Ort, in dessen Umgebung zwei Männer den Panzerzug entdeckt haben wollen.

Der oder die Täter könnten sich bei ihrer Suche auf Berichte betagter Anwohner stützen. In Walim, dem einstigen Wüstewaltersdorf, wurde nach Angaben von Zeitzeugen im Mai 1945 ein Konvoi gesichtet, dessen Wagen die Signatur der Deutschen Reichsbank getragen haben soll.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa