Panorama

Routinierte UrlaubsplanungReiseweltmeister unermüdlich

06.03.2008, 16:59 Uhr

Zwei Drittel der Deutschen werden auch in diesem Jahr in Urlaub fahren. 39 Prozent haben schon entschieden, wohin die Reise geht. 26 Prozent sind nur beim Ziel noch unschlüssig.

Zwei Drittel der Deutschen wissen bereits: Auch dieses Jahr werden sie in Urlaub fahren. 39 Prozent haben schon entschieden, wohin die Reise geht, weitere 26 Prozent sind nur beim Ziel noch unschlüssig. Das hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) in ihrer Reiseanalyse ermittelt, die sie auf der Internationalen Tourismus-Börse (I5. bis 9. März) in Berlin vorgestellte.

Im vergangenen Jahr packten unter dem Strich 74,8 Prozent aller Bundesbürger die Koffer für eine Fahrt in die Ferien. Prof. Martin Lohmann von der FUR geht davon aus, dass dieser über Jahre hinweg stabile Wert auch 2008 erreicht werden könnte. Die deutschen "Reiseweltmeister" treten also zur Titelverteidigung an - das wurde gleich am ersten Tag der weltgrößten Reisemesse deutlich.

Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), sprach zum ITB-Auftakt zum Beispiel von einem "vielversprechenden Start in die Saison". Anziehende Buchungen verzeichneten die Veranstalter vor allem für den östlichen Mittelmeerraum, bei Reisen innerhalb Deutschlands, in Asien, den USA und in Österreich - einem der beiden Gastgeberländer der Fußball-EM. Hilfreich sei der gute Wechselkurs zum US-Dollar: Wo Reiseleistungen in Dollar eingekauft werden, "brummt es", sagte Laepple. In diesen Ländern seien die Nebenkosten am Ort günstig, "und das wissen die Leute auch".

Flüge werden knapp

Zum Teil werden sogar schon die Flüge in beliebte Urlaubsgebiete knapp. Das gelte vor allem für die Herbstferien, die als Urlaubszeitraum immer beliebter werden, sagte Laepple. Im Sommer seien vor allem Anfang und Ende der Ferienwochen betroffen. Viele Reiseveranstalter hätten in diesem Jahr ihre Flugkapazitäten "sehr konservativ eingekauft", um Last-Minute-Preiskämpfe zu vermeiden. Inzwischen hätten Konzerne wie TUI, Thomas Cook und Rewe-Touristik zwar Zusatzkapazitäten geordert. Dennoch dürften die Gäste von Reiseveranstaltern "nicht mit großen Preisnachlässen rechnen". Knapp seien die freien Plätze in Flugzeugen vor allem bei Zielen im östlichen Mittelmeerraum sowie über Ostern in Richtung Kanaren.

Auch mit dieser Situation dürften die "Reiseweltmeister" aber zurecht kommen, denn nach Beobachtung von Tourismusexperten werden sie zu "immer professionelleren Urlaubern": Im Dschungel der Angebote und Buchungsmöglichkeiten finden sie sich gut zurecht, zieht die FUR als Fazit aus ihrer Befragung: "Die Urlauber nehmen zunehmend die Leistungen der Tourismusindustrie in Anspruch, gehen aber sehr differenziert damit um", sagte Geschäftsführer Peter Aderhold.

Souveräne Urlauber

Seit 1999 sei etwa der Anteil derjenigen, die Reisen am liebsten ganz "auf eigene Faust" organisieren, von 56 auf 47 Prozent gesunken. Die Zahl derer, die einzelne Leistungen bei Touristikanbietern buchen, stieg dagegen: Bei 29 Prozent aller Reisen war 2007 ein Hotelzimmer so organisiert worden, bei zwölf Prozent die Anreise.

Auch das Thema Klimaschutz dürfte an der Reiselust der Deutschen wenig ändern. Die Mehrheit der Flugreisenden lehnt zum Beispiel freiwillige Spenden an Klimaschutzprojekte als Ausgleich für den CO2-Ausstoß von Flugzeugen ab, ergab eine repräsentative FUR-Umfrage unter 1000 Deutschen: Von den Flugreisenden hätten sich 24 Prozent für freiwillige Klimaspenden ausgesprochen, 55 Prozent aber dagegen. Spendenprogramme zur Kompensation des CO2-Ausstoßes werden von Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern in Zusammenarbeit mit Umweltorganisationen zunehmend angeboten.

Die Bereitschaft, ganz auf das Fliegen zu verzichten, ist ebenfalls gering. Am Urlaub wird als letztes gespart, Verhaltensänderungen im Alltag wie "Weniger Auto fahren" oder "Öfter das Licht ausschalten" würden eher akzeptiert.

Buhlen um Reiseweltmeister

Vom Reiseboom profitiert Deutschland auch als Zielland: "Jede dritte Urlaubsreise der Deutschen bleibt im eigenen Land, d.h., wir haben einen sehr großen Aufschwung und sehr viele Reisen nach Deutschland. Wir haben viele innovative neue Angebote und insofern sind wir sehr zufrieden", freut sich Claudia Gilles bei n-tv. Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes meldet zehn Millionen mehr Übernachtungen im Jahr 2007. Damit sei Deutschland ein Topthema auf der ITB.

Am Status des "Reiseweltmeisters" rüttelt dafür unter Umständen etwas ganz anderes: die wirtschaftliche Lage vieler Privathaushalte. Bei der Befragung zur Reiseanalyse gaben 20 Prozent der Deutschen an, dass sie noch nicht wüssten, ob sie sich diesmal eine Urlaubsreise leisten können oder wollen. Das waren deutlich mehr Unentschlossene als Anfang 2007, sagte Lohmann. Im Tourismus werde es nun "nicht weiter aufwärtsgehen, aber auch nicht abwärts", so die Einschätzung des Experten. Allerdings werde sich in dieser Situation der Wettkampf der Branche um die Gunst jedes einzelnen "Reiseweltmeisters" weiter verschärfen.